Wie verändert sich die Isolierwirkung von Dämmwolle, wenn sie feucht wird?
Die Isolierwirkung von Dämmwolle (wie Glaswolle oder Steinwolle) verschlechtert sich drastisch und unmittelbar, sobald sie feucht wird.
Hier sind die physikalischen Gründe und die Folgen im Detail erklärt:
1. Wasser leitet Wärme besser als Luft
Das Funktionsprinzip von Dämmwolle beruht darauf, dass sie sehr viel Luft in ihren Poren einschließt. Luft ist ein schlechter Wärmeleiter und sorgt so für die Dämmung.
- Luft hat eine Wärmeleitfähigkeit von ca. 0,026 W/mK.
- Wasser hat eine Wärmeleitfähigkeit von ca. 0,60 W/mK.
Das bedeutet: Wasser leitet Wärme etwa 23-mal besser als stehende Luft. Wenn die Hohlräume in der Dämmwolle statt mit Luft mit Wasser gefüllt sind, entweicht die Wärme fast ungehindert nach außen. Schon eine geringe Feuchtigkeitszunahme von nur 5 bis 10 Vol.-% kann die Dämmwirkung um 50 % oder mehr reduzieren.
2. Kapillareffekt und Zusammensacken
Mineralwolle ist zwar oft hydrophobiert (wasserabweisend imprägniert), aber bei größeren Mengen Wasser oder bei längerem Kontakt saugt sie sich dennoch voll.
- Gewichtszunahme: Die nasse Wolle wird sehr schwer.
- Strukturverlust: Unter dem Eigengewicht des Wassers sackt die Dämmung zusammen. Es entstehen Hohlräume und sogenannte Wärmebrücken an den oberen Rändern (z. B. zwischen den Sparren beim Dach), durch die die Wärme massiv entweicht.
3. Verdunstungskälte
Wenn die Dämmung feucht ist, versucht das Wasser zu verdunsten. Dieser physikalische Prozess benötigt Energie (Wärme). Die Dämmung entzieht dem Bauteil also zusätzlich Wärme, um das Wasser zu verdampfen, was den auskühlenden Effekt verstärkt.
4. Langfristige Schäden (Folgeerscheinungen)
Neben dem Verlust der Dämmwirkung hat Feuchtigkeit in der Dämmwolle weitere gefährliche Folgen:
- Schimmelbildung: Feuchte Dämmung in Verbindung mit angrenzendem Holz oder Gipskarton ist ein idealer Nährboden für Schimmel.
- Bauschäden: Feuchtigkeit greift die Unterkonstruktion an (z. B. Fäulnis bei Holzbalken, Korrosion bei Metallprofilen).
- Geruchsbildung: Es entsteht ein muffiger, modriger Geruch.
Bleibt der Schaden dauerhaft?
Das kommt auf das Material und den Grad der Feuchtigkeit an:
- Mineralwolle (Glas-/Steinwolle): Wenn sie einmal richtig durchfeuchtet war und zusammengesackt ist, erholt sie sich meist nicht mehr vollständig. Selbst wenn sie trocknet, bleibt sie oft verdichtet, wodurch die ursprüngliche Dämmwirkung (die auf dem Volumen der eingeschlossenen Luft basiert) verloren bleibt. In den meisten Fällen muss sie ausgetauscht werden.
- Naturdämmstoffe (Holzfaser, Hanf, Zellulose): Diese können Feuchtigkeit bis zu einem gewissen Grad aufnehmen und wieder abgeben (Pufferwirkung), ohne sofort ihre Struktur zu verlieren. Aber auch hier führt dauerhafte Nässe zu Schimmel und Zersetzung.
Fazit
Feuchte Dämmwolle ist nahezu wirkungslos. Wenn Sie feststellen, dass Ihre Dämmung nass ist (z. B. durch ein Leck im Dach oder defekte Dampfbremsfolien), muss die Ursache sofort behoben werden. In der Regel ist eine durchnässte Mineralwolledämmung unbrauchbar und muss fachgerecht ersetzt werden.