Wie unterscheidet sich Sensitiv-Zahnpasta von herkömmlichen Produkten?
Sensitiv-Zahnpasten unterscheiden sich von herkömmlichen Zahnpasten vor allem in drei Bereichen: ihrer Geringeren Reinigungskraft (Abrasion), ihren speziellen Wirkstoffen zur Schmerzlinderung und dem Verschluss der Reizleiter.
Hier sind die Unterschiede im Detail erklärt:
1. Niedriger RDA-Wert (Geringe Abrasion)
Der wichtigste physikalische Unterschied ist der sogenannte RDA-Wert (Relative Dentin Abrasion). Er gibt an, wie stark die Putzkörper in der Zahnpasta den Zahnschmelz und das freiliegende Zahnbein (Dentin) abtragen.
- Herkömmliche Zahnpasta: Hat oft einen mittleren bis hohen RDA-Wert (ca. 70 bis 100, „Whitening“-Pasten oft über 100), um Verfärbungen effektiv zu entfernen.
- Sensitiv-Zahnpasta: Hat einen niedrigen RDA-Wert (meist zwischen 20 und 50). Da schmerzempfindliche Zähne oft freiliegende Zahnhälse haben, die nicht durch harten Schmelz geschützt sind, ist eine sanfte Reinigung entscheidend, um weiteren Substanzverlust zu verhindern.
2. Verschluss der offenen Dentinkanälchen
Schmerzempfindlichkeit entsteht meist, weil das Zahnfleisch zurückweicht und das Zahnbein (Dentin) freiliegt. Im Dentin befinden sich winzige Kanäle (Tubuli), die direkt zum Zahnnerv führen. Reize wie Kälte, Hitze oder Süßes werden über diese Kanäle direkt an den Nerv weitergeleitet.
- Wirkstoffe: Sensitiv-Zahnpasten enthalten Substanzen wie Arginin, Strontiumsalze oder spezielle Fluorid-Verbindungen (z. B. Aminfluorid oder Zinnfluorid), die eine Schutzschicht bilden.
- Effekt: Diese Stoffe legen sich wie ein Siegel über die offenen Kanälchen und blockieren so die Reizweiterleitung zum Nerv.
3. Beruhigung des Zahnnervs
Einige Sensitiv-Produkte setzen auf eine chemische Desensibilisierung des Nervs selbst.
- Wirkstoffe: Häufig werden Kalium-Ionen (z. B. Kaliumnitrat) verwendet.
- Effekt: Die Kalium-Ionen dringen durch die Kanälchen zum Zahnnerv vor und lagern sich dort ab. Sie mindern die Erregbarkeit des Nervs, sodass dieser weniger stark auf äußere Reize reagiert.
4. Reparatur-Ansatz (Künstlicher Zahnschmelz)
Einige moderne Sensitiv-Zahnpasten enthalten Hydroxyapatit (oft als „künstlicher Zahnschmelz“ beworben).
- Effekt: Diese Partikel lagern sich beim Putzen in die Defekte des Zahnschmelzes und auf die offenen Dentinkanäle ein, um diese dauerhaft zu verschließen und die Zahnoberfläche zu glätten.
Zusammenfassung der Unterschiede:
| Merkmal | Herkömmliche Zahnpasta | Sensitiv-Zahnpasta |
|---|---|---|
| Reinigungspartikel | Meist grober/härter (höherer RDA) | Sehr fein/weich (niedriger RDA) |
| Hauptziel | Plaque-Entfernung, Kariesprophylaxe | Schmerzreduktion, Schutz freiliegender Zahnhälse |
| Wirkstoffe | Meist Fluorid & Reinigungskörper | Kalium, Arginin, spezielle Fluoride, Hydroxyapatit |
| Gefühl | Fokus auf Frische und Sauberkeit | Fokus auf Beruhigung und sanfte Pflege |
Wichtiger Hinweis: Die Wirkung von Sensitiv-Zahnpasta tritt meist nicht sofort ein. Man muss sie in der Regel über mehrere Wochen regelmäßig (zweimal täglich) anwenden, damit sich die Schutzschicht aufbauen oder der Kaliumspiegel am Nerv stabilisieren kann. Bei akuten Schmerzen kann man die Paste auch mit dem Finger direkt auf die empfindliche Stelle massieren.