Wie lassen sich Schwindrisse bei der Austrocknung von Kalksandsteinmauerwerk verhindern?

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Schwindrisse in Kalksandsteinmauerwerk (KS) entstehen primär dadurch, dass die Steine produktionstechnisch bedingt eine gewisse Eigenfeuchte besitzen. Wenn diese Feuchtigkeit nach dem Einbau an die Umgebung abgegeben wird, verkürzt sich das Material (Schwinden). Da das Mauerwerk jedoch durch Auflasten oder Einspannungen am freien Bewegen gehindert wird, entstehen Zugspannungen, die zu Rissen führen können.

Um Schwindrisse zu verhindern oder auf ein Minimum zu reduzieren, müssen Maßnahmen in der Planung, der Lagerung und der Ausführung getroffen werden:

1. Materialwahl und Lagerung

  • Ausreichende Lagerzeit: Kalksandsteine sollten nicht „ofenwarm“ direkt aus dem Werk verbaut werden. Je länger die Steine vor dem Einbau lagern (beim Hersteller oder auf der Baustelle), desto mehr des initialen Schwindprozesses ist bereits abgeschlossen.
  • Trockenhaltung auf der Baustelle: Das ist einer der wichtigsten Punkte. Werden die Steine auf der Baustelle durch Regen durchnässt, beginnt der Schwindprozess nach dem Einbau von vorn und verstärkt sich. Paletten sollten abgedeckt bleiben und die Mauerkronen sind bei Arbeitsunterbrechungen vor Regen zu schützen.

2. Konstruktive Maßnahmen (Planung)

  • Anordnung von Dehnungsfugen: Lange Wände müssen durch vertikale Dehnungsfugen unterteilt werden. Die Faustregel für KS-Mauerwerk nach DIN EN 1996 (Eurocode 6) liegt je nach Wanddicke und Konstruktion meist bei Abständen von 6 bis 8 Metern.
  • Lagerfugenbewehrung: In Bereichen mit hohen Zugspannungen (z.B. unter Fensterbrüstungen oder bei großen Wandlängen ohne Fugen) kann eine Bewehrung (z.B. aus flachen Edelstahlgittern wie „Murfor“) in die Lagerfuge eingelegt werden. Diese nimmt die Zugkräfte auf und verteilt sie, sodass keine sichtbaren Risse entstehen.
  • Wand-Schlitz-Verhältnis: Große Öffnungen in der Wand schwächen den Querschnitt. Hier sollten die oben genannten Bewehrungen oder zusätzliche Fugen besonders sorgfältig geplant werden.

3. Ausführung (Mauerwerkstechnik)

  • Dünnbettmörtel verwenden: KS-Plansteine werden im Dünnbettverfahren (Fugenstärke 1–3 mm) vermauert. Dies minimiert den Eintrag von Anmachwasser in das Mauerwerk im Vergleich zum Normalmörtel erheblich, was das Schwindrisiko senkt.
  • Vermeidung von Mischmauerwerk: Kalksandstein sollte nicht unmittelbar im Verband mit anderen Materialien (z.B. Ziegel oder Porenbeton) gemauert werden, da diese Materialien unterschiedliche Schwind- und Quelleigenschaften haben.
  • Gleitlager: Bei Deckenauflagern sollten (je nach statischer Anforderung) Gleitlager vorgesehen werden, damit sich die Decke und die Wand unabhängig voneinander verformen können.

4. Maßnahmen beim Verputzen

  • Standzeit einhalten: Der Putz sollte so spät wie möglich aufgetragen werden. Man empfiehlt, das Rohbaumauerwerk mindestens einige Wochen (idealerweise ein Quartal) austrocknen zu lassen, bevor der Innen- oder Außenputz folgt.
  • Putzarmierung: In rissgefährdeten Bereichen (Ecken, Materialübergänge) sollte ein Glasfasergewebe flächig in den Putz eingebettet werden.
  • Gesteuertes Heizen: Nach dem Verputzen darf der Bau nicht schockartig aufgeheizt werden (besonders im Winter). Eine zu schnelle Austrocknung führt zu Schalenbildung und Rissen.

Zusammenfassung der wichtigsten Regel:

"Trocken einbauen und langsam austrocknen lassen." Wenn die Steine vor Regen geschützt werden und die Dehnungsfugenabstände nach Norm eingehalten werden, ist das Risiko für schädliche Schwindrisse bei Kalksandstein sehr gering.