Wie lange dauert der natürliche Zersetzungsprozess eines Papiertaschentuchs im Freien?
Die Zersetzung eines herkömmlichen Papiertaschentuchs in der Natur dauert überraschend lange: Im Durchschnitt benötigt es zwischen 1 und 5 Jahre, bis es vollständig abgebaut ist.
Viele Menschen unterschätzen diesen Zeitraum, da sie denken, Papier sei ein Naturprodukt und würde sich bei Regen schnell auflösen. Dass es so lange dauert, hat spezifische Gründe:
Warum dauert es so lange?
- Nassfestmittel: Papiertaschentücher sind so konzipiert, dass sie auch bei Kontakt mit Feuchtigkeit (z. B. beim Naseputzen) reißfest bleiben. Dafür werden dem Zellstoff bei der Herstellung spezielle Kunstharze (Nassfestmittel) beigemischt. Diese verhindern, dass die Fasern im Regen sofort auseinanderfallen.
- Chemische Behandlung: Viele Tücher sind zusätzlich gebleicht oder enthalten Duftstoffe und Lotionen, die den biologischen Abbauprozess durch Mikroorganismen verlangsamen können.
- Zellstoffdichte: Die Fasern sind sehr eng miteinander verpresst, was sie widerstandsfähiger gegen Witterungseinflüsse macht.
Faktoren, die die Dauer beeinflussen:
- Feuchtigkeit: In einem feuchten Wald oder bei viel Regen zersetzt sich das Tuch schneller (eher Richtung 1 Jahr). In trockenen Gebieten oder im Hochgebirge kann es viele Jahre fast unverändert liegen bleiben.
- Temperatur: Wärme beschleunigt die Aktivität von Bakterien und Pilzen, die das Material abbauen. Kälte (z. B. in den Alpen) konserviert das Tuch.
- Bodenbeschaffenheit: Ein belebter Waldboden mit vielen Mikroorganismen baut Papier schneller ab als ein karger Steinboden.
Vergleich mit anderen Materialien:
- Toilettenpapier: Zersetzt sich sehr schnell (oft schon nach wenigen Wochen), da es darauf ausgelegt ist, im Wasser sofort zu zerfallen.
- Zeitungspapier: Benötigt etwa 6 Wochen bis 6 Monate.
- Bananenschale: Benötigt je nach Klima 1 bis 3 Jahre.
Warum ist das ein Problem?
Abgesehen vom optischen Aspekt („weiße Teppiche“ an Wanderwegen) können die enthaltenen Chemikalien und die zur Herstellung verwendeten Substanzen in den Boden gelangen. Zudem ist es für Tiere oft unverdaulich, falls sie es fressen.
Tipp für unterwegs: Wenn kein Mülleimer in der Nähe ist, sollte man das benutzte Taschentuch in einem kleinen Plastikbeutel (Zip-Beutel) wieder mit nach Hause nehmen oder zumindest Toilettenpapier statt Taschentücher verwenden, falls es für ein „Notgeschäft“ im Freien gedacht ist.