Wie hoch ist das statistische Suchtpotenzial von Rubbellosen im Vergleich zu anderen Glücksspielen?
Das statistische Suchtpotenzial von Rubbellosen wird in der Forschung als moderat eingestuft. Es liegt deutlich über dem von klassischen Lotterien (wie „6 aus 49“), aber signifikant unter dem von Casinospielen, Sportwetten oder Geldspielautomaten.
Um das Suchtpotenzial einzuordnen, betrachten Experten verschiedene strukturelle Merkmale des Spiels. Hier ist der Vergleich im Detail:
1. Die Einordnung auf der Risikoskala
Man kann die gängigen Glücksspiele grob in drei Risikogruppen einteilen:
- Niedriges Risiko: Klassisches Lotto (Ziehungen nur 1-2 Mal pro Woche).
- Moderates Risiko: Rubbellose, Keno, Bingo.
- Hohes Risiko: Spielautomaten (Slot-Machines), Online-Casino-Spiele, Live-Sportwetten, Roulette.
2. Warum sind Rubbellose gefährlicher als normales Lotto?
Obwohl Rubbellose oft als „harmloser Zeitvertreib“ an der Kasse wahrgenommen werden, besitzen sie Eigenschaften, die das Suchtpotenzial erhöhen:
- Ereignisfrequenz (Sofortgewinn-Charakter): Beim Lotto liegen Stunden oder Tage zwischen Tippabgabe und Ziehung. Beim Rubbellos liegen nur Sekunden zwischen Kauf und Ergebnis. Je kürzer das Intervall zwischen Einsatz und Ergebnis, desto höher ist der psychologische Reiz zur Wiederholung.
- Verfügbarkeit: Rubbellose sind extrem niederschwellig verfügbar (Supermarkt, Tankstelle, Kiosk). Man braucht kein Vorwissen und keine Vorbereitung.
- Beinahe-Gewinne (Near-Miss-Effekt): Rubbellose sind oft so designt, dass zwei von drei benötigten Symbolen sofort erscheinen. Das Gehirn interpretiert dies als „fast gewonnen“, was den Drang auslöst, sofort ein weiteres Los zu kaufen, obwohl die statistische Chance beim nächsten Los exakt gleich gering ist.
3. Warum sind sie weniger gefährlich als Automaten oder Sportwetten?
Trotz der Sofortgewinn-Möglichkeit gibt es Faktoren, die das Suchtpotenzial im Vergleich zu „harten“ Glücksspielen bremsen:
- Manuelle Barriere: Man muss das Los physisch freirubbeln. Das kostet Zeit und begrenzt die Spielgeschwindigkeit im Vergleich zu einem Automaten, der alle 2 Sekunden ein Ergebnis liefert.
- Keine Interaktion/Scheinkompetenz: Im Gegensatz zu Sportwetten oder Poker gibt es bei Rubbellosen keine Illusion von Wissen oder Geschicklichkeit (außer man glaubt fälschlicherweise, man könne „Glückszahlen“ oder „bestimmte Lose“ wählen).
- Soziale Wahrnehmung: Da Rubbellose oft einzeln gekauft werden, ist die soziale Hemmschwelle in einem Laden höher, als anonym tausende Runden an einem Online-Slot zu drehen.
4. Statistische Auffälligkeiten
Studien (z. B. der BZgA in Deutschland) zeigen regelmäßig:
- Die Mehrheit der Menschen mit einer diagnostizierten Glücksspielstörung (pathologisches Glücksspiel) gibt Geldspielautomaten oder Sportwetten als Hauptproblem an.
- Rubbellose werden oft als „Einstiegsdroge“ für Jugendliche oder junge Erwachsene gesehen, führen aber seltener alleinstehend zu einer schweren Abhängigkeit als hochfrequente Spiele.
- Allerdings: Menschen, die bereits eine Glücksspielproblematik haben, nutzen Rubbellose oft als „Zusatzspiel“, um den täglichen Kick aufrechtzuerhalten.
Fazit
Das Suchtpotenzial von Rubbellosen ist tückisch, weil es oft unterschätzt wird. Statistisch gesehen ist die Gefahr, eine schwere Sucht zu entwickeln, bei Rubbellosen jedoch um ein Vielfaches geringer als bei Automaten oder Online-Casinos, da die Frequenz der Spieleinsätze physisch begrenzt ist.
Hinweis: Wenn Sie oder jemand in Ihrem Umfeld Anzeichen von Spielsucht zeigen, bietet die BZgA kostenlose und anonyme Beratung unter 0800 1 37 27 00 (in Deutschland) an.