Wie entsteht eine Perle im Inneren einer Auster?

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Die Entstehung einer Perle ist im Grunde eine faszinierende Schutzreaktion der Auster auf einen Fremdkörper. Entgegen dem weitverbreiteten Mythos ist dieser Fremdkörper jedoch nur selten ein einfaches Sandkorn.

Hier ist der Prozess Schritt für Schritt erklärt:

1. Der Eindringling

Alles beginnt damit, dass ein Fremdkörper in das Innere der Muschel gelangt und das empfindliche Mantelgewebe reizt. Meistens handelt es sich dabei um:

  • Einen Parasiten (z. B. kleine Würmer),
  • ein winziges Stückchen organisches Material,
  • oder eine Verletzung, bei der Mantelzellen in das Innere des Körpers verschleppt werden.

(Sandkörner werden von der Auster meist einfach wieder ausgespuckt, da sie nicht tief genug eindringen.)

2. Die Abwehrreaktion

Die Auster kann den Eindringling nicht einfach entfernen. Um sich vor der Reizung oder einer Infektion zu schützen, umschließt das Mantelgewebe den Fremdkörper. Es bildet sich ein sogenannter Perlsack.

3. Die Produktion von Perlmutt

Die Zellen des Perlsacks beginnen nun, dieselbe Substanz abzusondern, aus der auch die Innenseite der Muschelschale besteht: Perlmutt. Perlmutt besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Aragonit: Mikroskopisch kleine Kristalle aus Kalziumkarbonat.
  • Conchiolin: Ein organisches Protein, das wie ein Klebstoff wirkt und die Kristalle zusammenhält.

4. Schicht um Schicht

Die Auster lagert nun über Monate oder Jahre hinweg tausende hauchdünne Schichten Perlmutt um den Fremdkörper herum ab. Da die Schichten das Licht brechen, entsteht der typische, schimmernde Glanz (der sogenannte „Lüster“).

5. Das Ergebnis

Nach etwa zwei bis fünf Jahren (je nach Muschelart und Umweltbedingungen) ist die Perle groß genug. Die Form der Perle hängt oft von der Form des ursprünglichen Fremdkörpers ab. Nur wenn der Kern perfekt rund war oder sich im Mantel frei drehen konnte, wird auch die Perle makellos rund.


Der Unterschied: Naturperle vs. Zuchtperle

  • Naturperlen: Entstehen rein zufällig in der freien Natur. Sie sind extrem selten (nur in etwa einer von 10.000 Muscheln findet man eine Perle).
  • Zuchtperlen: Hier hilft der Mensch nach. Einem Experten gelingt es, ein winziges Stück Mantelgewebe (und oft einen kleinen Kern aus Muschelschale) vorsichtig in eine Auster einzupflanzen. Die Auster reagiert genau wie bei einer Naturperle und überzieht das Implantat mit Perlmutt. Fast alle Perlen, die man heute im Schmuckhandel findet, sind Zuchtperlen.

Interessanter Fakt: Nicht nur Austern können Perlen bilden, sondern fast alle Weichtiere mit Schalen (auch Miesmuscheln oder Schnecken). Aber nur die Perlen von Tieren, die echtes Perlmutt produzieren, haben diesen begehrten Edelstein-Glanz.