Wie entstehen die Trends, die in Mode-Magazinen präsentiert werden?

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Die Entstehung von Modetrends ist ein komplexer Prozess, der oft Jahre bevor die Kleidung in den Läden oder Magazinen landet, beginnt. Es ist ein Zusammenspiel aus Analyse, Kreativität, Wirtschaft und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Man kann diesen Prozess grob in fünf Phasen unterteilen:

1. Die Analyse des Zeitgeistes (2–3 Jahre im Voraus)

Noch bevor ein Designer eine Skizze macht, analysieren Trend-Agenturen (wie z. B. WGSN oder die Agentur von Li Edelkoort) weltweite Entwicklungen. Sie schauen nicht nur auf Mode, sondern auf:

  • Politik und Wirtschaft: Krisen führen oft zu Sehnsucht nach Sicherheit (klassische Schnitte) oder Eskapismus (glitzernde Party-Mode).
  • Technologie: Neue Materialien oder digitale Einflüsse (Metaverse, KI).
  • Soziale Bewegungen: Nachhaltigkeit, Gender-Fluidität oder Body Positivity verändern, wie Kleidung geschnitten und vermarktet wird.

Diese Agenturen erstellen „Trend-Books“ mit Farbpaletten und Stoffmustern, die sie für viel Geld an Modehäuser verkaufen.

2. Die Stoffmessen (1,5–2 Jahre im Voraus)

Bevor Kleidung genäht werden kann, muss der Stoff existieren. Auf großen Messen wie der Première Vision in Paris treffen sich Designer und Stoffhersteller. Hier wird entschieden: Welche Texturen sind in? Kommt Samt zurück? Werden Stoffe eher technisch-glatt oder natürlich-grob? Die Stoffe geben den Rahmen vor, was technisch überhaupt möglich ist.

3. Die Entwürfe der Designer (1 Jahr im Voraus)

Die Kreativdirektoren der großen Modehäuser (Gucci, Prada, Dior etc.) nehmen diese Impulse auf und interpretieren sie für ihre Marke. Dabei gibt es zwei Richtungen:

  • Top-Down: Designer setzen eine radikale neue Idee (z. B. Schulterpolster), die später von günstigeren Ketten (Zara, H&M) kopiert wird.
  • Bottom-Up: Designer lassen sich von Subkulturen, Streetstyle oder Vintage-Trends inspirieren und bringen diese auf den Laufsteg.

4. Die Fashion Weeks und die „Gatekeeper“ (6 Monate im Voraus)

Bei den großen Modenschauen in New York, London, Mailand und Paris wird die Kollektion präsentiert. Hier kommen die Modemagazine (Vogue, Elle, Harper’s Bazaar) ins Spiel.

  • Redakteure und Stylisten sitzen in der ersten Reihe und filtern das Angebot. Sie schauen: Welche Farben tauchen bei vielen Designern gleichzeitig auf? Welche Silhouette wiederholt sich?
  • Diese Experten entscheiden, was „in“ ist. Wenn fünf große Designer Gelb zeigen, wird das Magazin im nächsten Frühjahr eine Strecke über „Die Trendfarbe Gelb“ veröffentlichen.

5. Die Rolle der Modemagazine (Veröffentlichung)

Wenn die Kollektionen in die Läden kommen, erscheinen die passenden Magazin-Ausgaben. Die Magazine haben dabei drei Funktionen:

  1. Kuration: Sie wählen aus der Masse an Kleidung das aus, was sie für ihre Leser relevant halten.
  2. Inszenierung: Durch aufwendige Fotoshootings (Editorials) verleihen sie der Kleidung ein bestimmtes Image oder Gefühl.
  3. Bestätigung: Indem sie einen Trend benennen (z. B. „Quiet Luxury“ oder „Barbiecore“), geben sie dem Konsumenten die Sicherheit, dass dieses Kleidungsstück jetzt „richtig“ ist.

Der moderne Wandel: Social Media

Heute ist der Prozess nicht mehr so linear. Durch Instagram und TikTok entstehen „Micro-Trends“ innerhalb weniger Wochen.

  • Influencer können Trends auslösen, die an den Magazinen vorbei direkt bei den Massenherstellern landen.
  • Magazine reagieren heute oft schneller und digitaler auf das, was auf der Straße oder in den sozialen Medien passiert, anstatt nur zu diktieren, was von den Laufstegen kommt.

Zusammenfassung

Ein Trend entsteht meistens als Antwort auf den Zeitgeist, wird durch Stoffproduzenten materialisiert, von Designern geformt, von Einkäufern und Redakteuren gefiltert und schließlich von Magazinen und Influencern so präsentiert, dass wir als Konsumenten Lust bekommen, ihn zu kaufen.

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