Welchen Zweck erfüllte Cola in ihren Anfängen in Apotheken?
In ihren Anfängen (Ende des 19. Jahrhunderts) wurde Cola – speziell die bekannteste Marke Coca-Cola – nicht als Erfrischungsgetränk, sondern als Medizin bzw. Heilmittel in Apotheken verkauft.
Der Erfinder, der Apotheker John Stith Pemberton, vermarktete das Getränk ursprünglich für folgende Zwecke:
1. Als „Nerventonikum“ (Nerve Tonic)
Im 19. Jahrhundert waren „Nervenschwäche“ (Neurasthenie), Erschöpfung und Melancholie weit verbreitete Diagnosen. Coca-Cola wurde als Mittel beworben, das die Nerven beruhigen und gleichzeitig den Geist beleben sollte.
2. Gegen Kopfschmerzen und Migräne
Pemberton pries seinen Sirup als wirksames Mittel gegen starke Kopfschmerzen an. Dies lag vor allem an der Kombination der Inhaltsstoffe (Koffein aus der Kolanuss und – in der Frühphase – Spuren von Kokain aus dem Cocablatt), die eine schmerzlindernde und anregende Wirkung hatten.
3. Bei Verdauungsproblemen
Wie viele kohlensäurehaltige Getränke in Apotheken wurde Cola auch bei Magenbeschwerden oder Unwohlsein empfohlen.
4. Als Mittel gegen Morphiumsucht
John Pemberton war selbst Bürgerkriegsveteran und aufgrund einer Kriegsverletzung morphiumabhängig. Er entwickelte das Getränk ursprünglich als alkoholfreie Alternative zu seinem „French Wine Coca“, um eine Methode zu finden, von der Opium- bzw. Morphiumsucht loszukommen.
5. Zur Steigerung der Leistungsfähigkeit
Aufgrund des hohen Koffeingehaltes (und des ursprünglichen Kokain-Anteils) wurde es als „Brain Tonic“ beworben, das intellektuelle Arbeit erleichterte und die Müdigkeit vertrieb.
Die Form der Darreichung
In den Apotheken gab es damals sogenannte „Soda Fountains“ (Limonaden-Ausschankstellen). Der konzentrierte Cola-Sirup wurde vom Apotheker frisch mit kohlensäurehaltigem Wasser aufgemischt. Erst später entwickelte sich daraus das reine Genussmittel, das wir heute kennen.
Wichtiger historischer Fakt: Das Kokain wurde bereits um 1903 aus der Rezeptur entfernt (bzw. durch dekokainisierte Cocablätter ersetzt), und der Fokus der Vermarktung verschob sich weg von der Medizin hin zur „Erfrischung“, um eine breitere Käuferschicht anzusprechen und strengeren Lebensmittelgesetzen zu entgehen.