Welche verschiedenen Arten von Unkrautvernichtern gibt es?

Bearbeiten
Löschen

Unkrautvernichter (Herbizide) werden nach verschiedenen Kriterien unterschieden: nach ihrer Wirkungsweise, ihrem Wirkungsspektrum, dem Zeitpunkt der Anwendung und ihrer Zusammensetzung.

Hier ist eine Übersicht der gängigsten Arten:

1. Einteilung nach dem Wirkungsspektrum

  • Totalherbizide (Breitbandherbizide): Diese Mittel töten nahezu jede grüne Pflanze ab, mit der sie in Kontakt kommen. Sie werden oft verwendet, um Flächen komplett zu roden. Beispiel: Glyphosat (in Deutschland für Privatgärten stark eingeschränkt).
  • Selektive Herbizide: Diese wirken nur gegen bestimmte Pflanzenarten, während andere verschont bleiben. Am bekanntesten sind Rasen-Unkrautvernichter, die zweikeimblättrige Pflanzen (Löwenzahn, Klee) bekämpfen, aber die einkeimblättrigen Gräser unberührt lassen.

2. Einteilung nach der Wirkungsweise

  • Kontaktherbizide: Sie wirken nur an den Stellen der Pflanze, die direkt mit dem Mittel benetzt werden (meist die Blätter). Die oberirdischen Teile sterben schnell ab, aber die Wurzel bleibt oft intakt. Sie eignen sich gut für einjährige Unkräuter.
  • Systemische Herbizide: Das Mittel wird von der Pflanze (über Blätter oder Wurzeln) aufgenommen und bis in die Wurzelspitzen transportiert. Dadurch wird die gesamte Pflanze abgetötet. Dies ist besonders effektiv bei hartnäckigen Wurzelunkräutern wie Giersch oder Disteln.

3. Einteilung nach dem Anwendungszeitpunkt

  • Vorauflauf-Herbizide: Diese werden ausgebracht, bevor die Unkrautsamen keimen. Sie bilden einen Film auf der Erde und verhindern das Auflaufen der Keimlinge.
  • Nachauflauf-Herbizide: Diese werden direkt auf die bereits gewachsenen, sichtbaren Unkräuter gespritzt oder gegossen.

4. Einteilung nach den Inhaltsstoffen

  • Chemisch-synthetische Herbizide: Diese basieren auf künstlich hergestellten Wirkstoffen. Sie sind oft sehr effizient, stehen aber wegen ihrer Auswirkungen auf die Umwelt (Bienen, Bodenleben, Grundwasser) in der Kritik.
  • Biologische/Naturnahe Wirkstoffe:
    • Essigsäure: Wirkt als Kontaktherbizid, verätzt die Blätter.
    • Pelargonsäure: Eine Fettsäure (kommt auch in Pelargonien vor), die die Zellwände der Blätter zerstört. Sie wirkt sehr schnell und ist biologisch abbaubar.
    • Maleinsäureanhydrid: Wird oft in Kombination mit anderen Stoffen zur Wachstumshemmung genutzt.

5. Alternative (Nicht-chemische) "Vernichter"

Auch wenn sie keine Herbizide im chemischen Sinne sind, werden sie oft in einem Atemzug genannt:

  • Thermische Verfahren: Abflammgeräte (Gasbrenner) oder Infrarotgeräte zerstören die Eiweißstrukturen der Pflanzenzellen.
  • Heißwasser-Verfahren: Kochendes Wasser zerstört die Wurzeln und Zellen (sehr effektiv für versiegelte Flächen).
  • Mechanische Verfahren: Fugenkratzer, Drahtbürsten-Aufsätze oder Hacken.

Wichtige rechtliche Hinweise in Deutschland:

  1. Anwendungsverbot auf versiegelten Flächen: Es ist gesetzlich verboten, chemische Unkrautvernichter (auch Essigreiniger oder Salzwasser!) auf Gehwegen, Einfahrten oder Terrassen anzuwenden. Da das Wasser dort nicht versickern kann, gelangen die Stoffe direkt in die Kanalisation und ins Grundwasser. Zuwiderhandlungen können teuer werden.
  2. Zulassung: Im Haus- und Kleingarten dürfen nur Mittel verwendet werden, die ausdrücklich die Kennzeichnung "Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich zulässig" tragen.
  3. Sachkunde: Für den privaten Gebrauch gibt es gebrauchsfertige Mischungen; Profi-Mittel sind nur mit Sachkundenachweis erhältlich.

Empfehlung: Im Sinne des Umweltschutzes ist es meist besser, auf mechanische Methoden oder Mulchen zu setzen, um Unkraut gar nicht erst entstehen zu lassen.