Welche Sicherheitsstufen und Zertifizierungen gibt es bei Tresoren?

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Beim Kauf eines Tresors sind die Sicherheitsstufen und Zertifizierungen das wichtigste Kriterium, da sie über den Widerstandswert gegen Aufbruchversuche und die Höhe des Versicherungsschutzes entscheiden.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Einbruchschutz und Brandschutz.


1. Einbruchschutz: Die aktuellen europäischen Normen

Heute sind vor allem zwei europäische Normen maßgeblich. Tresore, die nach diesen Normen geprüft sind, tragen eine blaue oder schwarze Plakette (VdS oder ECB-S) auf der Innenseite der Tür.

A. EN 14450 (Sicherheitsschränke)

Diese Norm gilt für den privaten Gebrauch oder für geringere Werte.

  • Sicherheitsstufe S1: Einfacher Schutz.
  • Sicherheitsstufe S2: Höherer Schutz als S1, oft mit Isolierschicht gegen kleine Brände.

B. EN 1143-1 (Wertbehältnisse)

Dies ist die strengere Norm für echte Panzerschränke. Die Stufen werden in römischen Ziffern (oder 0) angegeben. Je höher die Zahl, desto massiver der Tresor.

  • Widerstandsgrad 0 (N): Standard für den gehobenen Privathaushalt.
  • Widerstandsgrad I: Sehr verbreitet, bietet guten Schutz und hohe Versicherungssummen.
  • Widerstandsgrad II bis VI: Für hohe gewerbliche Werte, Juweliere oder Banken.
  • Zusatz „KB“: Kernbohrschutz (besonders hoher Widerstand).

2. Einbruchschutz: Die alte deutsche Norm (VDMA 24992)

Viele ältere oder sehr günstige Tresore sind noch nach der Bauvorschrift VDMA 24992 zertifiziert. Wichtig: Diese Norm wurde 2003 zurückgezogen.

  • Sicherheitsstufe A: Einwandiger Tresor (geringer Schutz).
  • Sicherheitsstufe B: Doppelwandiger Tresor.
  • Hinweis: Versicherungen akzeptieren diese Stufen bei Neuverträgen oft nur noch eingeschränkt oder mit geringeren Summen.

3. Brandschutz-Zertifizierungen

Brandschutz wird separat geprüft. Ein Tresor kann einbruchsicher sein, aber Dokumente darin können bei Hitze dennoch verkohlen.

A. Leichter Brandschutz (EN 15659)

  • LFS 30 P: 30 Minuten Schutz für Papier.
  • LFS 60 P: 60 Minuten Schutz für Papier.

B. Hochgradiger Brandschutz (EN 1047-1)

Diese Norm ist extrem streng und beinhaltet einen Sturztest (aus 9,15 m Höhe).

  • S 60 P / S 120 P: 60 bzw. 120 Minuten Schutz für Papier (max. 170 °C im Inneren).
  • S 60 DIS / S 120 DIS: 60 bzw. 120 Minuten Schutz für Datenträger wie USB-Sticks oder Festplatten (max. 52 °C im Inneren – diese sind viel hitzeempfindlicher als Papier!).

4. Versicherungssummen (Orientierungswerte)

Die Versicherungssumme hängt davon ab, ob der Tresor privat oder gewerblich genutzt wird.

Sicherheitsstufe Privat (ca.) Gewerblich (ca.)
S1 (EN 14450) bis 5.000 € bis 2.500 €
S2 (EN 14450) bis 20.000 € bis 2.500 €
Grad 0 (EN 1143-1) bis 40.000 € bis 10.000 €
Grad I (EN 1143-1) bis 65.000 € bis 20.000 €
Grad II (EN 1143-1) bis 100.000 € bis 50.000 €
Grad III (EN 1143-1) bis 200.000 € bis 100.000 €

Hinweis: Durch den Anschluss an eine Einbruchmeldeanlage (EMA) verdoppelt sich die Versicherungssumme oft.


5. Wichtige Prüfinstitute (Zertifizierer)

Achten Sie beim Kauf auf die Prüfsiegel dieser Institute. Sie garantieren, dass der Tresor unter Laborbedingungen getestet wurde:

  1. VdS (VdS Schadenverhütung GmbH): Das führende deutsche Institut.
  2. ECB-S (European Certification Body): Das europäische Zertifizierungsorgan.

Zusammenfassung: Worauf beim Kauf achten?

  1. Zertifizierungsplakette: Ist eine VdS- oder ECB-S-Plakette an der Türinnenseite? (Ein Aufkleber "Baugleich nach Stufe B" reicht oft nicht für die Versicherung).
  2. Verankerung: Tresore unter 1.000 kg müssen laut Versicherung meist fachgerecht im Boden oder in der Wand verankert werden.
  3. Schloss: Elektronikschloss oder Doppelbart-Schlüssel? Ein Schlüssel muss sicher verwahrt werden – findet ein Einbrecher den Schlüssel, zahlt die Versicherung oft nicht.
  4. Zukunftssicher: Kaufen Sie im Zweifel eine Stufe höher (z.B. Grad I statt 0), da die Versicherungssummen über die Jahre durch Wertsteigerungen (Gold, Uhren) schnell erreicht sind.