Welche Rolle spielen Kaugummis bei der Neutralisierung von Säuren im Mundraum?

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Kaugummis spielen eine zentrale Rolle bei der Neutralisierung von Säuren im Mundraum, allerdings primär indirekt über die Anregung des körpereigenen Schutzsystems: den Speichelfluss.

Hier sind die wichtigsten Mechanismen im Detail erklärt:

1. Anregung des Speichelflusses (Der wichtigste Faktor)

Das Kauen von Kaugummi signalisiert dem Körper, dass Nahrung aufgenommen wird. Dadurch produzieren die Speicheldrüsen deutlich mehr Speichel – die Flussrate kann um das Zehnfache ansteigen. Speichel ist das wichtigste Mittel des Körpers, um Säuren zu bekämpfen:

  • Verdünnung: Die Säuren, die durch Bakterien (beim Abbau von Zucker) oder durch säurehaltige Lebensmittel (Limo, Obst) entstehen, werden schlichtweg verdünnt.
  • Spüleffekt: Speisereste und Zucker, die den Bakterien als Nahrung dienen, werden schneller weggespült.

2. Die Pufferkapazität des Speichels

Speichel ist nicht nur Wasser; er enthält wichtige Ionen, insbesondere Bikarbonat.

  • Bikarbonat wirkt als chemischer Puffer. Es neutralisiert die Säuren im Zahnbelag (Plaque) und hebt den pH-Wert im Mundraum schnell wieder an.
  • Ein neutraler pH-Wert (ca. 7,0) ist entscheidend, da ab einem kritischen Wert von etwa 5,5 der Zahnschmelz beginnt, sich aufzulösen (Demineralisation).

3. Remineralisierung des Zahnschmelzes

Speichel ist reich an Mineralien wie Calcium und Phosphat.

  • Nachdem Säuren Mineralien aus dem Zahnschmelz herausgelöst haben, hilft der durch das Kauen angeregte Speichel dabei, diese Mineralien wieder in den Zahnschmelz einzulagern.
  • Einige Kaugummis enthalten zusätzlich Fluorid oder spezielles Calciumphosphat (z. B. Recaldent), um diesen Prozess zu unterstützen.

4. Die Rolle von Xylit (Birkenzucker)

Die meisten zahnpflegenden Kaugummis enthalten Xylit anstelle von Zucker:

  • Nicht verwertbar: Kariesbakterien (vor allem Streptococcus mutans) können Xylit zwar aufnehmen, aber nicht verstoffwechseln. Sie produzieren also keine Säure daraus.
  • Bakterienreduktion: Da die Bakterien bei der Aufnahme von Xylit Energie verbrauchen, ohne Energie zurückzugewinnen, wird ihr Wachstum gehemmt und die Plaque-Menge reduziert.

5. Verkürzung der "Stephan-Kurve"

In der Zahnmedizin beschreibt die Stephan-Kurve den Abfall und Wiederanstieg des pH-Werts im Mund nach dem Essen.

  • Ohne Kaugummi kann es 30 bis 60 Minuten dauern, bis der Speichel den pH-Wert von allein wieder neutralisiert hat.
  • Durch Kauen von zuckerfreiem Kaugummi kann diese Zeit auf unter 20 Minuten verkürzt werden, wodurch die Zeitspanne, in der der Zahnschmelz angegriffen wird, drastisch sinkt.

Wichtige Voraussetzungen

Damit Kaugummis diese positive Rolle spielen können, müssen sie:

  1. Zuckerfrei sein: Kaugummis mit Zucker bewirken das Gegenteil, da sie die Bakterien dauerhaft mit Brennstoff für die Säureproduktion versorgen.
  2. Lange genug gekaut werden: Man empfiehlt etwa 15 bis 20 Minuten nach den Mahlzeiten.

Fazit: Kaugummis neutralisieren Säuren nicht direkt durch ihre Inhaltsstoffe, sondern fungieren als „Katalysator“ für den Speichel, der die eigentliche chemische Neutralisierungsarbeit leistet. Sie sind eine ideale Ergänzung zur Zahnpflege für unterwegs, ersetzen aber nicht das Zähneputzen.