Welche Rolle spielen Bindemittel wie Kalk, Zement oder Gips im Putzmörtel?

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Bindemittel sind das „Herzstück“ eines Putzmörtels. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Gesteinskörnung (meist Sand) zusammenzuhalten und den Putz fest mit dem Untergrund (Mauerwerk, Beton etc.) zu verbinden. Sie wandeln den Mörtel durch eine chemische oder physikalische Reaktion von einem verformbaren, breiigen Zustand in einen festen Zustand um.

Hier ist die spezifische Rolle der drei wichtigsten Bindemittel im Detail:


1. Kalk (Luftkalk oder hydraulischer Kalk)

Kalk ist eines der ältesten und vielseitigsten Bindemittel.

  • Verarbeitbarkeit: Kalk macht den Mörtel „geschmeidig“ und plastisch. Er lässt sich gut verteilen.
  • Feuchtigkeitsregulierung: Kalkputze sind sehr diffusionsoffen („atmungsaktiv“). Sie können Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, was das Raumklima verbessert.
  • Elastizität: Kalk ist weniger spröde als Zement. Er kann leichte Bewegungen im Untergrund besser ausgleichen, ohne zu reißen.
  • Hygiene: Aufgrund seines hohen pH-Werts (alkalisch) wirkt Kalk natürlich desinfizierend und beugt Schimmelpilzbildung vor.
  • Einsatz: Innen- und Außenbereich (je nach Kalkart), besonders in der Denkmalpflege und im ökologischen Hausbau.

2. Zement

Zement ist das Bindemittel für maximale Belastbarkeit.

  • Festigkeit: Zement verleiht dem Putz eine hohe Druckfestigkeit und Härte. Er ist mechanisch sehr widerstandsfähig.
  • Wasserbeständigkeit: Zement ist hydraulisch, das heißt, er härtet auch unter Wasser aus und ist nach der Erhärtung wasserunlöslich. Deshalb ist er das Mittel der Wahl für Außenbereiche, Sockel (Spritzwasserbereich) und Feuchträume.
  • Schnelligkeit: Er bindet relativ schnell ab und erreicht früh eine hohe Stabilität.
  • Nachteil: Zementputze sind recht starr und neigen bei Spannungen eher zu Rissen als reine Kalkputze. Zudem ist die Dampfdiffusion geringer als bei Kalk.
  • Einsatz: Kelleraußenwände, Fassadensockel, gewerbliche Feuchträume.

3. Gips

Gips ist ein klassisches Bindemittel für den Innenbereich.

  • Oberflächengüte: Mit Gips lassen sich extrem glatte und feine Oberflächen herstellen (ideal für Tapeten oder Anstriche).
  • Schnelligkeit: Gipsputz erhärtet durch Kristallisation sehr schnell, was den Baufortschritt beschleunigt.
  • Raumklima: Gips kann kurzzeitig Luftfeuchtigkeit speichern und bei trockener Luft wieder abgeben.
  • Brandschutz: Gips enthält chemisch gebundenes Kristallwasser. Im Brandfall verdampft dieses und wirkt kühlend auf das Bauteil.
  • Einsatz: Nur im Innenbereich und in trockenen Räumen. Gips ist wasserlöslich und würde im Außenbereich oder in dauerfeuchten Kellern aufquellen und seine Festigkeit verlieren.

Mischformen (Kombinationsrollen)

In der Praxis werden Bindemittel oft gemischt, um die Vorteile zu kombinieren:

  • Kalk-Zement-Putz: Dies ist der Standardputz für viele Anwendungen. Der Zement sorgt für Stabilität und Wetterfestigkeit, während der Kalk die Verarbeitbarkeit verbessert und den Putz elastischer macht.
  • Gips-Kalk-Putz: Hier wird Gips für die schnelle Erhärtung und Glätte genutzt, während der Kalkanteil die Feuchtigkeitsregulierung und Geschmeidigkeit optimiert.

Zusammenfassung

Bindemittel Haupteigenschaft Ideal für...
Kalk Elastisch, atmungsaktiv, schimmelhemmend Wohnräume, ökologisches Bauen, Altbau
Zement Hart, wasserfest, belastbar Außenfassaden, Keller, Spritzwasserbereich
Gips Glatt, schnelltrocknend, feuerhemmend Innenwände und Decken (trocken)