Welche Risiken bestehen, wenn Sprühpflaster auf infizierte oder eiternde Wunden aufgetragen wird?

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Das Auftragen von Sprühpflaster auf infizierte, eiternde oder stark nässende Wunden ist strikt kontraindiziert (nicht zulässig). Sprühpflaster sind ausschließlich für kleine, saubere, trockene und oberflächliche Schnitt- oder Schürfwunden gedacht.

Wenn man ein Sprühpflaster dennoch auf eine infizierte Wunde aufträgt, entstehen folgende schwerwiegende Risiken:

1. „Einsperreffekt“ für Bakterien (Okklusionseffekt)

Ein Sprühpflaster bildet einen dünnen, meist luft- und wasserdichten Film über der Wunde. Bei einer infizierten Wunde befinden sich bereits Krankheitserreger (Bakterien) in der Wunde. Durch den Film werden diese buchstäblich „eingesperrt“. Sie finden unter dem Film ideale Bedingungen vor (warm, feucht), um sich massiv zu vermehren.

2. Behinderung des Sekretabflusses

Eiter ist ein Anzeichen für eine aktive Immunabwehr und besteht aus abgestorbenen Geweberesten, weißen Blutkörperchen und Bakterien. Dieser Eiter muss aus der Wunde abfließen können. Das Sprühpflaster versiegelt die Oberfläche, sodass der Eiter unter der Schicht verbleibt. Dies kann dazu führen, dass sich die Infektion in tiefere Gewebeschichten ausbreitet.

3. Förderung anaerober Keime

Manche gefährliche Bakterien (Anaerobier) vermehren sich besonders gut in einer sauerstoffarmen Umgebung. Da das Sprühpflaster den Sauerstoffzutritt reduziert, kann dies das Wachstum genau jener Keime fördern, die schwere Gewebeschäden verursachen.

4. Mazeration (Aufweichen des Wundrandes)

Unter dem wasserdichten Film staut sich die Feuchtigkeit. Dies führt dazu, dass das umliegende gesunde Gewebe aufquillt und aufweicht (Mazeration). Aufgeweichte Haut ist anfälliger für eine weitere Ausbreitung der Infektion und heilt deutlich langsamer.

5. Risiko einer Sepsis oder Phlegmone

Wenn die Infektion durch die Versiegelung nach außen hin blockiert wird, sucht sich der Druck und die Entzündung den Weg nach innen. Dies kann zu folgenden Komplikationen führen:

  • Abszessbildung: Eine abgekapselte Eiteransammlung im Gewebe.
  • Phlegmone: Eine diffuse, sich schnell ausbreitende Entzündung des Bindegewebes.
  • Lymphangitis: Die Entzündung der Lymphbahnen (fälschlicherweise oft als „Blutvergiftung“ bezeichneter roter Strich).
  • Sepsis: Im schlimmsten Fall gelangen die Bakterien in die Blutbahn, was lebensgefährlich ist.

6. Verzögerte Wundheilung und Narbenbildung

Durch die forcierte Entzündung unter dem Film wird der Heilungsprozess massiv gestört. Es kommt zu größerem Gewebeverlust, was später oft zu deutlich sichtbaren und instabilen Narben führt.


Was sollte man stattdessen tun?

Wenn eine Wunde eitert, rot ist, pocht, anschwillt oder heiß wird:

  1. Kein Sprühpflaster verwenden!
  2. Reinigen: Die Wunde vorsichtig mit einer antiseptischen Lösung (z.B. Octenidin oder Povidon-Jod, sofern keine Allergie vorliegt) desinfizieren.
  3. Drainage ermöglichen: Eine sterile, atmungsaktive Kompresse oder ein lockeres Pflaster verwenden, das Sekrete aufsaugen kann.
  4. Arztbesuch: Eine infizierte Wunde gehört in ärztliche Behandlung, insbesondere wenn Fieber oder ein roter Streifen auftreten.

Zusammenfassend: Sprühpflaster fungieren wie eine „zweite Haut“ für gesunde Heilungsprozesse. Bei einer Infektion wirken sie jedoch wie ein Deckel auf einem kochenden Topf und verschlimmern die Situation massiv.

Hinweis: Diese Information dient der allgemeinen Aufklärung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung.