Welche Risiken bestehen bei der Einnahme von Magnesium für Patienten mit einer Myasthenia gravis?

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Bei der Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis (MG) ist die Einnahme von Magnesium mit erheblichen Risiken verbunden. Magnesium gilt bei Myasthenie-Patienten als kontraindiziert (gegenanzeigt) oder darf nur unter strengster ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.

Hier sind die Gründe und Risiken im Detail:

1. Der Mechanismus: Störung der Reizübertragung

Myasthenia gravis ist eine Erkrankung der neuromuskulären Übertragung. Dabei werden die Rezeptoren für den Botenstoff Acetylcholin an der Verbindungsstelle zwischen Nerv und Muskel blockiert oder zerstört.

Magnesium wirkt an dieser Stelle zweifach negativ:

  • Hemmung der Acetylcholin-Freisetzung: Magnesium verdrängt Calcium an den Nervenendungen. Calcium ist jedoch notwendig, um die Freisetzung von Acetylcholin zu triggern. Weniger Acetylcholin bedeutet ein schwächeres Signal am Muskel.
  • Senkung der Empfindlichkeit: Es setzt zusätzlich die Empfindlichkeit der motorischen Endplatte herab.

2. Die konkreten Risiken

  • Akute Verschlechterung der Muskelschwäche: Bereits kurz nach der Einnahme kann es zu einer spürbaren Zunahme der Muskelschwäche kommen.
  • Myasthene Krise: Dies ist die gefährlichste Komplikation. Dabei wird die Atemmuskulatur so stark geschwächt, dass eine lebensbedrohliche Atemnot eintritt, die eine künstliche Beatmung erforderlich machen kann.
  • Verschlechterung der Schluckfunktion: Die Gefahr des Verschluckens (Aspiration) steigt, was zu Lungenentzündungen führen kann.

3. Darreichungsformen und Schweregrad

  • Intravenöses Magnesium (Infusionen/Spritzen): Dies ist für Myasthenie-Patienten extrem gefährlich und kann unmittelbar zu einer Atemlähmung führen. In der Notfallmedizin oder bei der Behandlung von Präeklampsie (Schwangerschaft) muss die Myasthenie unbedingt bekannt sein.
  • Orales Magnesium (Tabletten/Brausetabletten): Auch herkömmliche Nahrungsergänzungsmittel können die Symptome verschlimmern, wenngleich die Wirkung meist langsamer eintritt als bei einer Infusion.
  • Versteckte Quellen: Magnesium findet sich oft in Multivitaminpräparaten, Abführmitteln oder Antazida (Mittel gegen Sodbrennen).

Wichtige Empfehlungen für Patienten:

  1. Rücksprache mit dem Neurologen: Nehmen Sie niemals Magnesiumpräparate ohne ausdrückliche Zustimmung Ihres behandelnden Neurologen ein.
  2. Notfallausweis: Tragen Sie immer einen Myasthenie-Pass bei sich, in dem Magnesium als kritisches Medikament gelistet ist.
  3. Medikamentenliste prüfen: Überprüfen Sie alle frei verkäuflichen Medikamente auf Magnesiumverbindungen (z. B. Magnesiumstearat ist als Hilfsstoff in Tabletten meist unbedenklich, aber Magnesiumoxid oder -citrat als Wirkstoff ist riskant).
  4. Alternativen suchen: Wenn Sie Magnesium wegen Wadenkrämpfen einnehmen möchten, besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob andere Ursachen vorliegen oder andere Therapien (z.B. Dehnübungen) möglich sind.

Fazit: Magnesium wirkt wie ein „natürliches Muskelrelaxans“. Was für gesunde Menschen entspannend ist, kann für Myasthenie-Patienten die mühsam aufrechterhaltene Muskelfunktion zum Erliegen bringen.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen kein ärztliches Beratungsgespräch.