Welche Probleme entstehen, wenn die Grundierung vor dem Überstreichen zu stark verdünnt wurde?
Wenn eine Grundierung (Tiefgrund, Haftgrund oder Sperrgrund) zu stark verdünnt wird, verliert sie ihre spezifischen chemischen und physikalischen Eigenschaften. Das führt zu einer Reihe von Problemen, die oft erst beim eigentlichen Anstrich oder sogar erst Wochen später sichtbar werden.
Hier sind die wichtigsten Probleme im Überblick:
1. Mangelnde Haftung (Abplatzen der Farbe)
Die Hauptaufgabe einer Grundierung ist es, eine Brücke zwischen dem Untergrund und der Farbe zu schlagen.
- Das Problem: Wenn das Bindemittel in der Grundierung zu stark mit Wasser (oder Lösungsmittel) gestreckt wird, ist der verbleibende „Kleber“-Anteil auf der Wand zu gering.
- Die Folge: Die spätere Farbschicht verbindet sich nicht fest mit dem Untergrund. Sie kann beim Überstreichen mit der Rolle wieder abgelöst werden oder später großflächig abblättern (z. B. wenn man ein Klebeband abzieht).
2. Unregelmäßiges Saugverhalten (Flecken und Streifen)
Grundierungen sollen die Saugfähigkeit des Untergrunds (z. B. Putz oder Gipskarton) ausgleichen.
- Das Problem: Eine zu dünne Grundierung sättigt den Untergrund nicht ausreichend. Poren bleiben offen.
- Die Folge: Wenn man nun die Wandfarbe aufträgt, saugt der Untergrund an manchen Stellen das Wasser aus der Farbe sofort auf („Aufbrennen“). Die Farbe trocknet zu schnell und ungleichmäßig, was zu sichtbaren Ansätzen, Streifen (Wolkenbildung) und unterschiedlichen Glanzgraden führt.
3. „Abkreiden“ des Untergrunds
Besonders bei sandenden oder kreidenden Putzen soll der Tiefgrund den Untergrund verfestigen.
- Das Problem: Die zu stark verdünnte Flüssigkeit transportiert nicht genug festigenden Kunststoff (Bindemittel) in die Poren.
- Die Folge: Die Oberfläche bleibt instabil. Der Anstrich hält auf einer „losen“ Schicht, was früher oder später zu Rissen und Abblättern führt.
4. Durchschlagen von Stoffen (bei Sperrgrund)
Wird ein spezieller Sperrgrund (gegen Nikotin, Wasserflecken oder Holzinhaltsstoffe) zu stark verdünnt, wird die Barrierefunktion zerstört.
- Das Problem: Die schützende Schicht ist nicht mehr dicht genug.
- Die Folge: Flecken wandern durch die Grundierung hindurch und werden in der frischen Farbe wieder sichtbar.
5. Erhöhter Farbverbrauch
- Das Problem: Da der Untergrund durch die verdünnte Grundierung immer noch stark saugt, wird für den Deckanstrich deutlich mehr Farbe benötigt.
- Die Folge: Da hochwertige Wandfarbe meist teurer ist als Grundierung, steigen die Materialkosten unnötig an.
6. Schlechtes Oberflächenbild (Strukturverlust)
- Das Problem: Durch das ungleichmäßige Wegschlagen der Feuchtigkeit beim Deckanstrich lässt sich die Farbe nicht mehr sauber „verrollen“.
- Die Folge: Die Struktur der Rolle wird ungleichmäßig (mal zu grob, mal zu glatt), was bei Streiflicht sehr unschön aussieht.
Woran merkt man, dass es zu dünn war?
- Wenn die Grundierung nach dem Trocknen wie Wasser eingezogen ist und die Wand sich immer noch rau und saugfähig anfühlt (Test: Ein paar Spritzer Wasser auf die Wand geben – ziehen sie sofort ein, ist die Grundierung wirkungslos).
- Wenn die Wand nach dem Grundieren immer noch „staubt“, wenn man mit der Hand darüberfährt.
Was kann man tun, wenn es bereits passiert ist?
Wenn die Grundierung bereits getrocknet ist und man merkt, dass sie zu dünn war, sollte man ein zweites Mal grundieren – diesmal mit dem richtigen Mischverhältnis (laut Herstellerangaben).
Wichtig: Achten Sie darauf, die Grundierung nicht überzugrundieren. Die Wand darf nach dem Trocknen nicht glänzen wie eine Speckschwarte, sonst hält die Farbe erst recht nicht („Glasur-Effekt“). Eine gute Grundierung sollte eingezogen sein, die Oberfläche festigen, aber noch matt wirken.