Welche Messfehler entstehen durch eine falsche Platzierung des Thermometers unter der Achsel?
Die Messung der Körpertemperatur unter der Achsel (axillar) gilt ohnehin als die ungenaueste Methode, da sie lediglich die Oberflächentemperatur der Haut misst und nicht die tatsächliche Körperkerntemperatur. Durch eine falsche Platzierung des Thermometers werden die Ergebnisse meist falsch-niedrig (seltener falsch-hoch) ausfallen.
Hier sind die spezifischen Messfehler, die durch falsche Platzierung oder Handhabung entstehen:
1. Positionierung außerhalb des Hitzezentrums (Apex)
Der wichtigste Punkt in der Achselhöhle ist die tiefste Stelle (der Apex), wo die Gefäßdichte am höchsten ist.
- Fehler: Wenn die Messspitze nur am Rand der Achsel oder zu weit vorne/hinten platziert wird.
- Folge: Das Thermometer misst kühlere Hautpartien, die nicht direkt über den großen Blutgefäßen liegen. Das Ergebnis ist deutlich niedriger als die tatsächliche Temperatur.
2. Mangelnder Hautkontakt (Luftpolster)
Damit ein Thermometer korrekt misst, muss die Messspitze vollständig von Haut umschlossen sein.
- Fehler: Wenn der Arm nicht fest genug an den Körper gepresst wird oder das Thermometer verrutscht.
- Folge: Es bilden sich Luftbrücken. Da Luft die Umgebungstemperatur (Zimmertemperatur) hat und isolierend wirkt, kühlt der Sensor ab. Die Anzeige ist zu niedrig.
3. Messung über der Kleidung
- Fehler: Das Thermometer wird durch den Ärmel eines Hemdes oder Unterhemds geschoben, und Stoff gerät zwischen Haut und Sensor.
- Folge: Textilien wirken als Isolator. Die Körperwärme erreicht den Sensor nicht direkt, was zu massiv zu niedrigen Werten führt.
4. Feuchtigkeit auf der Haut (Verdunstungskälte)
Dies ist ein indirekter Platzierungsfehler, wenn die Achselhöhle vor dem Einlegen nicht kontrolliert wird.
- Fehler: Die Achsel ist schweißnass.
- Folge: Schweiß verdunstet. Bei der Verdunstung entsteht Kälte (Verdunstungskälte), welche die Hautoberfläche abkühlt. Das Thermometer misst diese kühlere Schicht, nicht die Körpertemperatur. (Wichtig: Die Achsel nur trocken tupfen, nicht reiben, da Reibung Wärme erzeugt).
5. Einlegen in eine „ausgekühlte“ Achsel
- Fehler: Wenn der Arm vor der Messung lange Zeit vom Körper weggestreckt wurde (z. B. beim Umziehen).
- Folge: Die Hautoberfläche in der Achselhöhle kühlt durch die Umgebungsluft ab. Es dauert mehrere Minuten, bis sich die Temperatur nach dem Schließen des Arms wieder stabilisiert hat. Misst man sofort, ist der Wert zu niedrig.
6. Zu kurze Messdauer
Die axillare Messung dauert wesentlich länger als die rektale oder orale Messung, da sich die Hautoberfläche erst langsam an die Temperatur des Körperkerns angleichen muss.
- Fehler: Das Thermometer wird zu früh entnommen (besonders bei alten Quecksilberthermometern oder digitalen Geräten, die zu früh piepsen).
- Folge: Die Maximaltemperatur wurde noch nicht erreicht; der Wert ist zu niedrig.
Zusammenfassung der Auswirkungen
In den meisten Fällen führen Platzierungsfehler dazu, dass Fieber übersehen wird, weil das Thermometer einen Normalwert anzeigt, obwohl der Körperkern bereits eine erhöhte Temperatur aufweist.
Faustregel: Die axillare Messung liegt systembedingt schon etwa 0,5 °C bis 1,0 °C unter dem rektalen Wert. Durch falsche Platzierung kann diese Abweichung auf über 1,5 °C ansteigen, was die Messung medizinisch unbrauchbar macht.