Welche Inhaltsstoffe neben Koffein sind typischerweise für die anregende Wirkung in Energy-Drinks verantwortlich?

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Neben dem Hauptwirkstoff Koffein enthalten Energy-Drinks meist eine Kombination aus verschiedenen Inhaltsstoffen, die entweder direkt anregend wirken, den Energiestoffwechsel unterstützen oder die Wirkung von Koffein verstärken sollen.

Hier sind die typischen Inhaltsstoffe und ihre Funktion:

1. Taurin

Taurin ist eine Aminosulfonsäure, die der Körper auch selbst herstellt. In Energy-Drinks wird sie oft mit dem Versprechen zugesetzt, die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern und die Muskelfunktion zu unterstützen. Es wird zudem vermutet, dass Taurin die Wirkung von Koffein beeinflussen oder dessen Nebenwirkungen (wie Herzrasen) abmildern kann, wobei die wissenschaftliche Beleglage hierzu nicht eindeutig ist.

2. Zucker (Glukose/Saccharose)

Die meisten klassischen Energy-Drinks enthalten sehr hohe Mengen an Zucker. Zucker liefert dem Gehirn und den Muskeln sofort verfügbare Energie. Der daraus resultierende schnelle Anstieg des Blutzuckerspiegels sorgt für einen kurzfristigen „Kick“, führt aber oft zu einem ebenso schnellen Leistungsabfall („Sugar Crash“), wenn der Insulinspiegel steigt.

3. B-Vitamine (insb. B6, B12, Niacin, Pantothensäure)

Vitamine der B-Gruppe sind entscheidend für den Energiestoffwechsel. Sie helfen dem Körper dabei, Kohlenhydrate, Fette und Proteine in Energie umzuwandeln. Sie wirken nicht direkt aufputschend wie Koffein, sollen aber sicherstellen, dass die Stoffwechselprozesse bei erhöhter Belastung optimal ablaufen.

4. Glucuronolacton

Dies ist eine körpereigene Substanz (ein Kohlenhydrat), die im Bindegewebe vorkommt. In Energy-Drinks wird es oft in hohen Konzentrationen zugesetzt. Es soll entgiftend wirken und die Konzentrationsfähigkeit sowie die körperliche Leistung fördern, wobei die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) die anregende Wirkung bisher nicht als hinreichend belegt ansieht.

5. Guarana-Extrakt

Guarana ist eine Pflanze aus dem Amazonasbecken, deren Samen deutlich mehr Koffein enthalten als Kaffeebohnen. Das Besondere: Das Koffein in Guarana ist an Gerbstoffe gebunden. Dadurch wird es im Körper langsamer freigesetzt und wirkt über einen längeren Zeitraum hinweg („sanfteres“ Abklingen der Wirkung).

6. Ginseng-Extrakt

Ginseng gilt in der Naturheilkunde als „Adaptogen“. Es soll dem Körper helfen, besser mit Stress umzugehen, die Konzentration zu steigern und das Immunsystem zu stärken. In Energy-Drinks ist die Dosierung meist jedoch so gering, dass eine spürbare Wirkung fraglich ist.

7. L-Carnitin

L-Carnitin spielt eine wichtige Rolle im Fettstoffwechsel, indem es Fettsäuren in die Mitochondrien (die „Kraftwerke“ der Zellen) transportiert, damit sie dort verbrannt werden können. Es wird zugesetzt, um die Energiegewinnung aus Fettreserven zu beschleunigen.

8. Inositol (früher Vitamin B8 genannt)

Inositol ist ein Botenstoff, der an der Weiterleitung von Nervensignalen beteiligt ist. Es soll die Stimmung verbessern und die kognitive Leistungsfähigkeit unterstützen.


Kritische Anmerkung zur Wirkung

Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass die primäre anregende Wirkung fast ausschließlich auf der Kombination von hohem Koffeingehalt und Zucker beruht. Bei vielen der anderen Inhaltsstoffe (wie Taurin oder Glucuronolacton) ist die leistungssteigernde Wirkung beim Menschen in den in Energy-Drinks verwendeten Mengen wissenschaftlich nicht zweifelsfrei belegt. Oft dienen sie eher Marketingzwecken, um dem Getränk ein „funktionales“ Image zu geben.