Welche Handschuhtypen eignen sich am besten für Arbeiten in extrem kalten Umgebungen oder Kühlhäusern?
Für Arbeiten in extrem kalten Umgebungen (wie Gefrierhäusern bis -30 °C oder im Freien bei Frost) ist die Wahl des richtigen Handschuhs entscheidend, um Erfrierungen zu vermeiden und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten.
Hier sind die besten Handschuhtypen und worauf Sie achten müssen:
1. Die wichtigste Norm: EN 511
Achten Sie beim Kauf unbedingt auf die Zertifizierung nach EN 511. Diese prüft den Handschuh auf drei Kriterien (dargestellt durch drei Ziffern unter einem Schneeflocken-Symbol):
- Konvektionskälte (0-4): Wie gut isoliert der Handschuh gegen die Umgebungsluft?
- Kontaktkälte (0-4): Wie gut schützt er beim Anfassen kalter Gegenstände (z. B. Metallregale)?
- Wasserundurchlässigkeit (0 oder 1): Bleibt der Handschuh nach 30 Minuten trocken?
2. Gängige Handschuhtypen für die Kälte
A. Beschichtete Thermostrick-Handschuhe (Der Allrounder)
Diese bestehen aus einer dicken Strickschicht (oft Acryl oder Schafwolle) und einer Beschichtung auf der Innenhand.
- Vorteile: Sehr gute Passform, hohe Fingerfertigkeit (wichtig für Scanner oder kleine Teile).
- Beschichtung: Meistens Latex-Schaum oder spezielles Nitrile, das auch bei Minusgraden flexibel bleibt.
- Einsatz: Allround-Tätigkeiten im Kühlhaus, Kommissionieren.
B. Spezialisierte Gefrierhaushandschuhe (Heavy Duty)
Diese Handschuhe sind oft mehrlagig aufgebaut und dicker isoliert (z. B. mit Thinsulate™ oder PrimaLoft®).
- Vorteile: Maximale Wärmeleistung, oft mit langer Stulpe, um die Lücke zum Ärmel zu schließen.
- Einsatz: Langzeitaufhalt in Tiefkühlbereichen (-25 °C und kälter), Staplerfahrer.
C. Leder-Thermohandschuhe
Klassische Arbeitshandschuhe aus Narben- oder Spaltleder mit einem dicken Innenfutter.
- Vorteile: Extrem robust und abriebfest. Leder bleibt bei Kontakt mit Eis oft griffiger als glatter Kunststoff.
- Einsatz: Schwere körperliche Arbeit, Hantieren mit Paletten und Metall.
3. Das "Zwiebelprinzip" (Layering)
In extremen Fällen hat sich das Tragen von zwei Schichten bewährt:
- Unterziehhandschuh: Ein dünner Handschuh aus Seide, Thermolite oder Merinowolle. Er transportiert Schweiß ab und hält die Grundwärme.
- Überhandschuh: Ein isolierter Schutzhandschuh.
- Vorteil: Wenn man für eine kurze, präzise Aufgabe den dicken Handschuh ausziehen muss, ist die Hand nicht direkt der Kälte ausgesetzt.
4. Wichtige Materialien für die Isolierung
- Thinsulate: Sehr dünne Microfasern, die viel Luft speichern, aber kaum auftragen. Ideal für feine Arbeiten.
- Acryl-Frottee: Günstig und warm, wird oft als Innenfutter in Strickhandschuhen verwendet.
- Hohlfasern: Ähnlich wie bei hochwertigen Schlafsäcken, bieten sie ein sehr gutes Wärme-Gewichts-Verhältnis.
5. Worauf Sie beim Kauf zusätzlich achten sollten:
- Atmungsaktivität: Das größte Problem in der Kälte ist Schweiß. Wenn die Hände feucht werden, kühlen sie extrem schnell aus. Der Handschuh sollte Feuchtigkeit nach außen leiten.
- Griffigkeit (Grip): In Kühlhäusern bildet sich oft Reif auf Oberflächen. Eine "besandete" oder geschäumte Beschichtung sorgt für Rutschfestigkeit.
- Passform: Der Handschuh darf nicht zu eng sitzen. Ein zu enger Handschuh schnürt die Blutzirkulation ab, was sofort zu kalten Fingern führt. Es muss ein kleines Luftpolster im Inneren bleiben.
Empfehlung für die Praxis:
- Für Kommissionierer (viel Bewegung, Touchscreen-Bedienung): Ein hochwertiger Thermostrick-Handschuh mit Latex-Beschichtung (z.B. von Herstellern wie Tegera, Uvex oder Ansell).
- Für Staplerfahrer oder bei langem Stehen (wenig Eigenwärme): Ein stark isolierter Leder- oder Synthetik-Handschuh mit Thinsulate-Futter und langer Stulpe.