Welche gesundheitlichen Risiken bestehen bei einer dauerhaften Überdosierung von Vitamin B6?
Eine dauerhafte Überdosierung von Vitamin B6 (Pyridoxin) ist gesundheitlich bedenklich, da das Vitamin – obwohl es wasserlöslich ist – bei chronisch hoher Zufuhr toxische Wirkungen entfalten kann.
Hier sind die wichtigsten gesundheitlichen Risiken im Detail:
1. Neurotoxizität (Nervenschäden)
Das Hauptrisiko einer chronischen Überdosierung ist die sogenannte periphere sensorische Neuropathie. Dabei werden die Nervenbahnen außerhalb des Gehirns und Rückenmarks geschädigt.
- Symptome: Taubheitsgefühle, Kribbeln in Händen und Füßen („Ameisenlaufen“), brennende Schmerzen oder eine verringerte Empfindlichkeit gegenüber Berührung, Temperatur und Vibration.
- Ataxie: Bei sehr hohen Dosen kann es zu Gangunsicherheit und Koordinationsstörungen kommen, da die Propriozeption (die Wahrnehmung der eigenen Körperlage im Raum) gestört ist.
- Reversibilität: In vielen Fällen bilden sich die Symptome nach Absetzen des Vitamins langsam zurück. Bei extrem hohen Dosen über lange Zeiträume können jedoch dauerhafte Schäden bleiben.
2. Dermatologische Probleme
Eine Überdosierung kann sich auch auf der Haut bemerkbar machen:
- Photosensitivität: Die Haut reagiert empfindlicher auf Sonnenlicht, was schneller zu Sonnenbrand oder Hautausschlägen führen kann.
- Akne-ähnliche Hautveränderungen: Hohe Dosen von B-Vitaminen (insbesondere B6 und B12) stehen im Verdacht, Hautunreinheiten oder einen „Vitamin-B-Ausschlag“ auszulösen.
3. Gastrointestinale Beschwerden
Einige Betroffene berichten bei dauerhafter Überdosierung von:
- Übelkeit
- Sodbrennen
- Bauchschmerzen
4. Weitere mögliche Folgen
- Eingeschränkte Reflexe: Eine Abnahme der Sehnenreflexe kann beobachtet werden.
- Interaktionen: Extrem hohe Dosen können die Wirkung bestimmter Medikamente (z. B. gegen Parkinson oder Epilepsie) beeinflussen.
Ab welcher Menge wird es gefährlich?
Die Empfehlungen für die tägliche Zufuhr liegen für Erwachsene normalerweise bei ca. 1,4 bis 1,6 mg (laut DGE).
- Tolerable Upper Intake Level (UL): Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die sichere Höchstmenge vor kurzem deutlich gesenkt. Sie liegt nun bei 12 mg pro Tag für Erwachsene (früher lag sie bei 25 mg, in den USA liegt sie teils noch bei 100 mg).
- Gefahrenbereich: Toxische Effekte treten meist erst bei einer dauerhaften Einnahme von mehr als 50 mg bis 100 mg pro Tag auf. Es gibt jedoch Berichte, dass bei empfindlichen Personen bereits Dosen ab 20–30 mg pro Tag über längere Zeit zu leichten neurologischen Symptomen führen können.
Woher kommt das Risiko?
Eine Überdosierung erfolgt fast nie über die normale Ernährung (dafür müsste man unrealistische Mengen an Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchten essen). Das Risiko besteht fast ausschließlich durch:
- Hochdosierte Nahrungsergänzungsmittel (oft in Kombipräparaten oder Sportler-Supplements enthalten).
- Medikamentöse Behandlungen (z. B. bei bestimmten Stoffwechselstörungen oder PMS), die nicht ärztlich überwacht werden.
Wichtiger Hinweis: Wenn Sie Symptome wie Kribbeln oder Taubheit bemerken und B-Vitamine supplementieren, sollten Sie das Präparat absetzen und einen Arzt aufsuchen. Ein einfacher Bluttest kann den Vitamin-B6-Spiegel bestimmen.