Welche Brandgefahr geht von HT-Rohren bei einem Hausbrand aus?
HT-Rohre (Hochtemperatur-Rohre), die standardmäßig für die Abwasserentsorgung innerhalb von Gebäuden verwendet werden, bestehen in der Regel aus Polypropylen (PP). Bei einem Hausbrand gehen von diesen Rohren spezifische Gefahren aus, die sowohl die Brandausbreitung als auch die Sicherheit der Bewohner betreffen.
Hier sind die wichtigsten Aspekte der Brandgefahr durch HT-Rohre:
1. Brennbarkeit des Materials (Brandlast)
HT-Rohre aus Polypropylen sind gemäß DIN 4102-1 als B2 (normalentflammbar) eingestuft. Das bedeutet:
- Sie fangen bei Kontakt mit einer Zündquelle Feuer.
- Sie tragen aktiv zur Brandlast des Gebäudes bei.
- Im Gegensatz zu Gussrohren (SML-Rohre), die nicht brennbar sind, schmelzen und brennen HT-Rohre und unterstützen so die Energie des Feuers.
2. Brandweiterleitung durch Wand- und Deckendurchbrüche
Dies ist die gefährlichste Eigenschaft von HT-Rohren bei einem Brand:
- Schmelzen des Materials: Da PP ein Thermoplast ist, schmilzt das Rohr bei Hitze (ab ca. 160 °C) und verformt sich.
- Lochbildung: Wenn das Rohr wegschmilzt oder verbrennt, entstehen offene Durchbrüche in Wänden und Decken.
- Kamineffekt: Durch diese entstandenen Öffnungen können Flammen und heiße Brandgase in andere Räume oder Stockwerke gelangen. Das Rohr wirkt dann wie eine Zündschnur oder ein Schacht, der das Feuer schnell im Haus verteilt.
3. Entwicklung von toxischen Gasen und Rauch
Bei der Verbrennung von Polypropylen entstehen erhebliche Mengen an gefährlichen Stoffen:
- Dichter schwarzer Rauch: PP verbrennt mit einer rußenden Flamme, was die Sicht für Flüchtende und die Feuerwehr extrem einschränkt.
- Kohlenmonoxid (CO): Wie bei fast allen organischen Stoffen entsteht bei unvollständiger Verbrennung hochgiftiges Kohlenmonoxid, das schon nach wenigen Atemzügen zur Bewusstlosigkeit führen kann.
- Reizende Gase: Je nach Zusammensetzung und Additiven im Kunststoff können weitere Atemgiftstoffe entstehen.
4. Brennendes Abtropfen
Schmelzendes Polypropylen kann brennend abtropfen oder abfließen. Diese brennenden Tropfen können:
- Das Feuer in tiefer gelegene Bereiche tragen.
- Gegenstände unterhalb des Rohres (z. B. im Keller oder in Schächten) entzünden.
Wie wird diese Gefahr baurechtlich minimiert?
Um die oben genannten Gefahren (insbesondere die Brandweiterleitung) zu verhindern, schreibt die Bauordnung in vielen Fällen Schutzmaßnahmen vor, wenn HT-Rohre durch brandabschnittsbildende Bauteile (z. B. Geschossdecken oder Trennwände) geführt werden:
- Brandschutzmanschetten (Rohrabschottungen): Dies ist die wichtigste Maßnahme. Eine Manschette enthält ein Material, das bei Hitze (ca. 140 °C) stark aufquillt (Intumeszenz). Es drückt das weich werdende HT-Rohr komplett zusammen und versiegelt die Öffnung in der Wand oder Decke feuerfest.
- Ummantelungen: Spezielle Dämmstoffe (z. B. Steinwolle mit hohem Schmelzpunkt), die eine gewisse Zeit verhindern, dass das Rohr Feuer fängt oder schmilzt.
- Verwendung von AS-Rohren: In manchen Bereichen werden "schallgeschützte Abflussrohre" (AS-Rohre) verwendet, die oft bessere Brandschutzeigenschaften haben als Standard-HT-Rohre (z. B. B1 – schwerentflammbar), aber auch sie benötigen bei Durchbrüchen meist Abschottungen.
Fazit: Die Hauptgefahr von HT-Rohren liegt weniger in der Selbstentzündung, sondern darin, dass sie im Falle eines Brandes Schutzbarrieren (Wände/Decken) überbrücken und durch schmelzende Öffnungen sowie giftigen Rauch die Ausbreitung des Brandes massiv beschleunigen. Daher ist der fachgerechte Einbau von Brandschutzmanschetten lebenswichtig.