Was versteht man unter objektbasierten Audioformaten wie Dolby Atmos?
Unter objektbasierten Audioformaten (wie Dolby Atmos, DTS:X oder MPEG-H) versteht man eine revolutionäre Technik der Tonwiedergabe, bei der Geräusche nicht mehr festen Lautsprecherkanälen zugeordnet sind, sondern als eigenständige „Objekte“ im dreidimensionalen Raum behandelt werden.
Hier ist eine einfache Erklärung der wichtigsten Unterschiede und Funktionsweisen:
1. Der Unterschied: Kanalbasiert vs. Objektbasiert
- Kanalbasiertes Audio (Klassisch, z. B. 5.1 oder 7.1): Beim Mischen des Tons legt der Toningenieur genau fest: „Dieses Geräusch kommt aus dem hinteren linken Lautsprecher“. Wenn du zu Hause kein 5.1-System hast, muss das Abspielgerät den Ton mühsam herunterrechnen, was oft zu Klangverlusten führt.
- Objektbasiertes Audio (Modern, z. B. Dolby Atmos):
Ein Geräusch (z. B. eine Biene) wird als ein Objekt definiert. Dieses Objekt enthält zwei Dinge:
- Die Audiodatei (das Summen).
- Metadaten (Informationen darüber, wo sich die Biene im Raum befindet, wie schnell sie wohin fliegt und wie laut sie ist).
2. Wie es funktioniert: Das „Rendering“
Da das Geräusch nur Koordinaten hat (z. B. „vorne oben rechts“), entscheidet erst dein AV-Receiver oder deine Soundbar in Echtzeit, welche Lautsprecher benutzt werden müssen, um dieses Geräusch genau an dieser Stelle erscheinen zu lassen.
- Hast du 10 Lautsprecher, nutzt das System alle 10 für eine präzise Ortung.
- Hast du nur 2 Lautsprecher, berechnet das System die bestmögliche Illusion für diese 2 Lautsprecher.
Das macht das Format extrem flexibel und zukunftssicher, da es unabhängig von der Anzahl der Lautsprecher funktioniert.
3. Die dritte Dimension: Die Höhe
Ein entscheidendes Merkmal von Formaten wie Dolby Atmos ist die Einbeziehung der Höhenebene. Während herkömmlicher Surround-Sound nur um den Hörer herum stattfindet, kommt bei objektbasiertem Audio der Schall auch von oben (durch Deckenlautsprecher oder spezielle "Upfiring"-Lautsprecher, die den Schall von der Decke reflektieren).
Man spricht hierbei von Immersive Audio (eintauchendes Audio), da man sich in einer „Klangglocke“ befindet.
4. Die wichtigsten Formate im Überblick
- Dolby Atmos: Das am weitesten verbreitete Format (Kino, Blu-ray, Streaming wie Netflix/Disney+, Musikstreaming wie Apple Music). Es unterstützt bis zu 128 Tonobjekte gleichzeitig.
- DTS:X: Der größte Konkurrent von Dolby. Es ist flexibler bei der Aufstellung der Lautsprecher, aber im Streaming-Bereich seltener zu finden als Atmos.
- MPEG-H: Wird vor allem im Rundfunkbereich (TV) und für Formate wie Sony 360 Reality Audio genutzt.
Die Vorteile auf einen Blick:
- Präzision: Geräusche lassen sich zentimetergenau im Raum orten.
- Immersion: Man fühlt sich wie mitten im Geschehen (z. B. Regen, der von oben kommt).
- Flexibilität: Es passt sich automatisch an dein Setup an (vom Smartphone mit Kopfhörern bis zum High-End-Heimkino).
- Klarheit: Dialoge können oft besser vom Hintergrundlärm getrennt werden, da sie als eigenes Objekt behandelt werden.
Zusammenfassend: Objektbasiertes Audio wie Dolby Atmos löst den Ton von starren Lautsprechern und macht ihn zu einem freien Element im Raum. Das Ergebnis ist ein realistischeres und einhüllenderes Klangerlebnis.