Was versteht man unter dem Sammelgebiet der „Philokartie“?
Unter dem Begriff Philokartie (griechisch philos für „Freund“ und lateinisch charta für „Papier/Blatt“) versteht man das Sammeln und Erforschen von Post- und Ansichtskarten.
Nach der Philatelie (Briefmarkenkunde) und der Numismatik (Münzkunde) gilt die Philokartie als eines der weltweit am weitesten verbreiteten Sammelgebiete.
Hier sind die wichtigsten Aspekte der Philokartie im Detail:
1. Was wird gesammelt?
Sammler unterscheiden meist zwischen zwei Hauptkategorien:
- Topographie (Ortsansichten): Ansichtskarten von Städten, Dörfern, Straßenzügen oder markanten Gebäuden. Diese sind oft von historischem Wert, da sie zeigen, wie Orte früher ausgesehen haben (vor Kriegen oder baulichen Veränderungen).
- Motivkarten: Hier steht ein bestimmtes Thema im Vordergrund, unabhängig vom Ort. Beispiele sind Schiffe, Eisenbahnen, Tiere, Blumen, Feste (Weihnachten, Ostern), Erotik, Humor oder historische Ereignisse.
- Künstlerkarten: Karten, die von namhaften Künstlern gestaltet wurden (z. B. Wiener Werkstätte, Jugendstil-Illustrationen).
2. Die „Goldene Ära“ der Philokartie
Die Blütezeit des Postkartensammelns lag zwischen 1895 und 1915. In dieser Zeit war die Ansichtskarte das wichtigste schnelle Kommunikationsmittel (ähnlich einer heutigen SMS oder WhatsApp, nur langsamer). Es gab damals eine gewaltige Vielfalt an Drucktechniken (wie die aufwendige Lithographie) und eine enorme Sammelleidenschaft in der Bevölkerung.
3. Bedeutung für die Forschung
Die Philokartie ist nicht nur ein Hobby, sondern auch eine Hilfswissenschaft für Historiker:
- Heimatforschung: Dokumentation von verschwundenen Gebäuden oder Trachten.
- Postgeschichte: Stempel, Portostufen und Leitwege geben Aufschluss über das Postwesen.
- Sozialgeschichte: Die Texte auf der Rückseite verraten viel über den Alltag, die Sprache und die Reisegewohnheiten früherer Generationen.
4. Wertkriterien
Der Wert einer Karte in der Philokartie wird durch verschiedene Faktoren bestimmt:
- Seltenheit: Kleine Auflagen oder seltene Motive.
- Drucktechnik: Alte Chromolithographien sind meist wertvoller als moderne Offset-Drucke.
- Zustand: Knicke, Flecken oder fehlende Ecken mindern den Wert.
- Alter: Karten aus der Zeit vor 1905 (sogenannte „Vorläufer“) sind oft besonders begehrt.
- Poststempel: Ein seltener Sonderstempel kann den Wert einer ansonsten gewöhnlichen Karte vervielfachen.
5. Abgrenzung zur Philatelie
Während sich der Philatelist primär für die Briefmarke, den Stempel und den Postweg interessiert, liegt der Schwerpunkt des Philokartisten auf dem Bildmotiv der Karte selbst. Dennoch gibt es viele Überschneidungen.
Heute findet die Philokartie vor allem auf speziellen Sammlerbörsen, in Auktionshäusern und auf Online-Plattformen (wie eBay oder Delcampe) statt.