Was versteht man unter dem Begriff „American Dream“?
Unter dem Begriff „American Dream“ (der amerikanische Traum) versteht man den tief in der US-amerikanischen Gesellschaft verwurzelten Glauben, dass jeder Mensch – unabhängig von seiner sozialen Herkunft, seiner Religion oder seinem Geburtsort – durch harte Arbeit, Fleiß und Talent ein besseres Leben erreichen kann.
Die bekannteste Zusammenfassung dieses Konzepts ist die Redewendung: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ (From rags to riches).
Hier sind die wichtigsten Aspekte des American Dream im Detail:
1. Die Kernbotschaft
Der Kern ist das Versprechen von vertikaler Mobilität (sozialem Aufstieg). Es geht nicht nur um materiellen Reichtum, sondern auch um individuelle Freiheit, Selbstverwirklichung und die Möglichkeit, das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
2. Historische Wurzeln
- Unabhängigkeitserklärung (1776): Schon in der Gründungsurkunde der USA heißt es, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden und das Recht auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ (Life, Liberty and the pursuit of Happiness) haben.
- James Truslow Adams: Er prägte den Begriff „American Dream“ im Jahr 1931 während der Weltwirtschaftskrise in seinem Buch The Epic of America. Er definierte ihn als den Traum von einem Land, in dem das Leben für jeden besser, reicher und voller sein sollte.
3. Zentrale Werte
- Chancengleichheit: Jeder sollte die gleichen Startbedingungen haben.
- Individualismus: Der Einzelne ist für seinen Erfolg (oder Misserfolg) selbst verantwortlich.
- Harte Arbeit: Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Disziplin.
- Freiheit: Freiheit von staatlicher Unterdrückung und die Freiheit des Marktes.
4. Symbole des amerikanischen Traums
- Das Eigenheim: Ein Haus in der Vorstadt mit Garten und einem weißen Lattenzaun (white picket fence).
- Einwanderung: Millionen von Menschen kamen (und kommen) in die USA, in der Hoffnung, dort Armut oder Verfolgung zu entfliehen und sich ein neues Leben aufzubauen.
- Die Freiheitsstatue: Sie gilt als das ikonische Symbol für die Hoffnung der Einwanderer.
5. Kritik und der „American Nightmare“
In den letzten Jahrzehnten ist der American Dream zunehmend in die Kritik geraten. Viele sehen darin eher einen Mythos als die Realität:
- Mangelnde soziale Mobilität: Statistiken zeigen, dass es in den USA heute oft schwieriger ist, sozial aufzusteigen, als in vielen europäischen Ländern.
- Systemische Barrieren: Faktoren wie Rassismus, ungleiche Bildungschancen und die hohen Kosten für das Gesundheitssystem verhindern oft die Chancengleichheit.
- Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich: Während eine kleine Elite extrem reich wird, stagniert der Lebensstandard der Mittelschicht.
- Der „American Nightmare“: Wenn Menschen trotz harter Arbeit verschuldet bleiben oder obdachlos werden, spricht man oft vom Scheitern des Traums.
Zusammenfassung
Der American Dream ist ein nationales Ethos, das die USA bis heute prägt. Er fungiert als starker Motivator und Identitätsstifter, wird aber aufgrund der wirtschaftlichen Realität und sozialer Ungerechtigkeiten zunehmend als unerreichbares Ideal hinterfragt.