Was unterscheidet schottischen Scotch rechtlich von amerikanischem Bourbon?
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Der rechtliche Unterschied zwischen schottischem Whisky (Scotch) und amerikanischem Whiskey (Bourbon) ist streng durch nationale Gesetze und internationale Handelsabkommen geregelt.
Hier sind die wichtigsten Unterschiede in den Kategorien Herkunft, Rohstoffe, Herstellung und Lagerung:
1. Herkunft (Geografie)
- Scotch: Muss zwingend in Schottland destilliert und gereift sein. (Gesetz: Scotch Whisky Regulations 2009).
- Bourbon: Muss zwingend in den USA hergestellt worden sein. Er muss nicht aus Kentucky kommen (obwohl 95 % von dort stammen), darf sich aber nur „Bourbon“ nennen, wenn er auf US-Boden produziert wurde.
2. Rohstoffe (Die Getreidemischung)
- Scotch: Besteht primär aus gemälzter Gerste (besonders Single Malt). Grain Whisky kann auch andere Getreidesorten wie Weizen oder Mais enthalten.
- Bourbon: Muss aus einer Getreidemischung (Mash Bill) bestehen, die zu mindestens 51 % aus Mais besteht. Der Rest ist meistens Roggen, Gerste oder Weizen.
3. Fässer und Lagerung
Dies ist einer der markantesten Unterschiede:
- Bourbon: Muss in neuen, ausgekohlten Eichenfässern gelagert werden. Ein Fass darf für Bourbon nur ein einziges Mal verwendet werden.
- Scotch: Wird fast immer in gebrauchten Fässern gelagert (oftmals ehemalige Bourbon-Fässer oder Sherry-Fässer). Das Gesetz schreibt lediglich „Eichenfässer“ vor.
- Dauer: Scotch muss rechtlich mindestens 3 Jahre reifen. Für Bourbon gibt es theoretisch keine Mindestdauer (außer für „Straight Bourbon“, der mindestens 2 Jahre reifen muss).
4. Zusatzstoffe
- Scotch: Es ist erlaubt, Zuckercouleur (E150a) zur farblichen Standardisierung hinzuzufügen. Andere Zusätze sind verboten.
- Bourbon: Es dürfen keinerlei Zusatzstoffe (weder Farbe noch Geschmack) hinzugefügt werden. Die dunkle Farbe des Bourbons stammt ausschließlich aus dem frischen, verkohlten Holz der neuen Fässer. Nur Wasser zur Verdünnung auf Trinkstärke ist erlaubt.
5. Destillationsstärke (Alkoholgehalt)
- Bourbon: Darf mit maximal 80 % vol. (160 proof) destilliert werden und muss mit maximal 62,5 % vol. (125 proof) ins Fass gefüllt werden.
- Scotch: Darf mit maximal 94,8 % vol. destilliert werden, damit das Aroma der Ausgangsstoffe erhalten bleibt.
- Abfüllung: Beide müssen mit mindestens 40 % vol. in die Flasche gefüllt werden.
Zusammenfassung im Überblick
| Merkmal | Scotch Whisky | Bourbon Whiskey |
|---|---|---|
| Produktionsort | Schottland | USA |
| Hauptzutat | Gerstenmalz (Single Malt) | Mind. 51 % Mais |
| Fässer | Gebrauchte Eichenfässer | Neue, ausgekohlte Eichenfässer |
| Mindestreifezeit | 3 Jahre | Keine (2 Jahre für "Straight") |
| Farbstoff | Zuckercouleur erlaubt | Streng verboten |
| Geschmacksprofil | Von rauchig/torfig bis fruchtig | Meist süßlich, Vanille, Karamell |
Interessanter Fakt: Da Bourbon-Hersteller ihre Fässer nach Gesetz nur einmal benutzen dürfen, verkaufen sie die gebrauchten Fässer massenhaft nach Schottland. Ein Großteil des schottischen Whiskys reift also in "Ex-Bourbon-Fässern".