Was unterscheidet einen Unterputz von einem Oberputz?

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Der Unterschied zwischen Unterputz und Oberputz liegt primär in ihrer Funktion, ihrer Position im Wandaufbau und ihrer Zusammensetzung. In einem klassischen Putzsystem arbeiten beide Schichten zusammen, erfüllen aber völlig unterschiedliche Aufgaben.

Hier ist ein detaillierter Vergleich:

1. Der Unterputz (auch Grundputz genannt)

Der Unterputz ist die erste Schicht, die direkt auf das Mauerwerk (Ziegel, Porenbeton, Kalksandstein etc.) aufgetragen wird.

  • Hauptaufgabe: Ausgleich von Unebenheiten im Mauerwerk. Er schafft eine ebene, tragfähige Fläche für die nachfolgenden Schichten.
  • Spannungsausgleich: Er muss Spannungen abfangen, die durch Temperaturunterschiede oder Setzungen im Mauerwerk entstehen, damit keine Risse an die Oberfläche gelangen.
  • Schichtdicke: Er ist deutlich dicker als der Oberputz, meist zwischen 10 und 20 mm.
  • Körnung: Er hat eine eher grobe Körnung (oft bis 4 mm), um die Schichtdicke stabil aufbauen zu können.
  • Optik: Er sieht meist grau oder beige aus und hat eine raue Oberfläche, damit der Oberputz besser darauf haftet.
  • Material: Besteht oft aus Kalk-Zement, reinem Zement (im Sockelbereich) oder Gips (nur im Innenbereich).

2. Der Oberputz (auch Edelputz oder Finish genannt)

Der Oberputz ist die abschließende, sichtbare Schicht, die auf den getrockneten (und meist grundierten) Unterputz aufgetragen wird.

  • Hauptaufgabe: Schutz und Ästhetik. Er schützt das Gebäude vor Witterungseinflüssen (Regen, UV-Strahlung) und mechanischen Belastungen.
  • Optik: Er bestimmt das Aussehen der Fassade oder der Innenwand durch Farbe und Struktur (z. B. Kratzputz, Scheibenputz, Rillenputz).
  • Schichtdicke: Er ist sehr dünn, meist nur so dick wie die enthaltene Körnung (ca. 1,5 bis 5 mm).
  • Körnung: Die Körnung ist hier ein Designelement (z. B. 2 mm oder 3 mm Körnung für eine bestimmte Struktur).
  • Material: Es gibt mineralische Putze (Kalk, Zement) oder pastöse Putze (Silikonharz, Kunstharz, Silikat). Diese sind oft wasserabweisend (hydrophob) eingestellt.

Die wichtigsten Unterschiede im Überblick

Merkmal Unterputz Oberputz
Position Direkt auf dem Mauerwerk Als Abschluss auf dem Unterputz
Funktion Ebnen, Untergrund schaffen, Statik Schutz vor Wetter, Optik/Design
Dicke Dick (ca. 10–20 mm) Dünn (ca. 1,5–5 mm)
Körnung Grob Fein bis strukturbildend
Sichtbarkeit Wird überdeckt Ist die sichtbare Schicht
Wasserschutz Nimmt Feuchtigkeit oft auf/puffert Meist wasserabweisend

Das Zusammenspiel ("Hart auf Weich"-Regel)

Ein wichtiger technischer Aspekt ist, dass die Schichten aufeinander abgestimmt sein müssen. In der Regel gilt: Der Putz sollte von innen nach außen "weicher" bzw. elastischer werden. Wenn der Oberputz viel härter ist als der Unterputz, kann es bei Temperaturschwankungen zu Abplatzungen oder Rissen kommen.

Fazit: Der Unterputz ist das solide Fundament, das die Wand gerade macht, während der Oberputz das "Gesicht" und der Schutzschild des Hauses ist. Ohne Unterputz würde der Oberputz jede Unebenheit des Steins zeigen; ohne Oberputz würde der Unterputz durch Wettereinflüsse schnell verwittern.

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