Was unterscheidet ein Totalherbizid von einem selektiven Unkrautvernichter?

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Der Hauptunterschied zwischen einem Totalherbizid und einem selektiven Unkrautvernichter liegt in der Bandbreite ihrer Wirkung – also darin, welche Pflanzen sie abtöten und welche sie verschonen.

Hier ist ein detaillierter Vergleich:

1. Totalherbizide (Breitbandherbizide)

Ein Totalherbizid wirkt unspezifisch. Es unterscheidet nicht zwischen Unkraut, Nutzpflanze oder Zierpflanze.

  • Wirkungsweise: Es vernichtet nahezu jede grüne Pflanze, mit der es in Kontakt kommt. Meistens wird der Wirkstoff über die Blätter aufgenommen und in die Wurzel transportiert (systemische Wirkung), sodass die gesamte Pflanze abstirbt.
  • Einsatzgebiete:
    • Vollständige Neuanlage von Rasenflächen oder Beeten.
    • Beseitigung von Bewuchs auf Wegen und Plätzen (Achtung: Gesetzliche Einschränkungen beachten!).
    • In der Landwirtschaft vor der Aussaat, um das Feld komplett unkrautfrei zu machen.
  • Bekannter Wirkstoff: Glyphosat (sehr umstritten und stark reglementiert).
  • Risiko: Wenn man aus Versehen die falsche Pflanze besprüht, stirbt diese ebenfalls ab.

2. Selektive Unkrautvernichter

Ein selektives Herbizid ist so konzipiert, dass es nur bestimmte Pflanzenarten abtötet, während andere Pflanzen den Kontakt unbeschadet überstehen.

  • Wirkungsweise: Diese Mittel nutzen biologische Unterschiede zwischen Pflanzenklassen aus. Die häufigste Form im Gartenbereich sind Mittel, die zweikeimblättrige Pflanzen (viele Unkräuter wie Löwenzahn, Klee, Gänseblümchen) bekämpfen, aber einkeimblättrige Pflanzen (Gräser) verschonen.
  • Einsatzgebiete:
    • Klassischerweise im Rasen: Das Unkraut stirbt, der Rasen wächst weiter.
    • In der Landwirtschaft: Um beispielsweise Getreidefelder von Unkräutern zu befreien, ohne das Getreide selbst zu schädigen.
  • Bekannte Wirkstoffe: Dicamba, MCPA oder Fluroxypyr.
  • Vorteil: Man kann großflächig spritzen oder gießen, um Unkraut in einem bestehenden Pflanzenbestand zu bekämpfen.

Die Unterschiede im Überblick

Merkmal Totalherbizid Selektiver Unkrautvernichter
Zielgruppe Alle grünen Pflanzen Nur bestimmte Pflanzen (z. B. nur Breitblatt-Unkräuter)
Anwendung im Rasen Ungeeignet (würde auch das Gras töten) Ideal zur Unkrautbekämpfung im Rasen
Vorsicht geboten Extrem hoch (Abdrift auf Nachbarpflanzen vermeiden) Mittel (darf nicht auf Blumenbeete gelangen)
Wirkung auf Gräser Tödlich Ungefährlich (für die meisten Rasengräser)
Beispiel Glyphosat-haltige Mittel Rasen-Unkrautfrei-Produkte

Wichtiger rechtlicher Hinweis

In Deutschland und vielen anderen EU-Ländern ist der Einsatz von Herbiziden (egal ob total oder selektiv) auf versiegelten Flächen (Gehwege, Garageneinfahrten, gepflasterte Flächen) streng verboten. Die Wirkstoffe können nicht im Boden abgebaut werden und gelangen über die Kanalisation direkt ins Grundwasser oder in Kläranlagen. Zuwiderhandlungen können mit hohen Bußgeldern bestraft werden.