Was passiert, wenn man versehentlich Frostschutzmittel verschluckt?

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Wichtiger Hinweis vorab: Wenn du oder jemand anderes gerade Frostschutzmittel verschluckt hat, rufe sofort den Notruf (112 in Deutschland/Europa) an oder kontaktiere umgehend eine Giftnotrufzentrale. Das Verschlucken von Frostschutzmittel ist ein lebensbedrohlicher medizinischer Notfall.

Hier ist eine Übersicht darüber, was im Körper passiert und was zu tun ist:

1. Warum ist Frostschutzmittel so gefährlich?

Die meisten Frostschutzmittel enthalten Ethylenglykol (selten auch Methanol). Ethylenglykol selbst ist zwar giftig, aber die eigentliche Gefahr entsteht, wenn der Körper versucht, es abzubauen. Dabei entstehen im Stoffwechsel hochgiftige Säuren (wie Glykolsäure und Oxalsäure).

2. Die drei Phasen der Vergiftung

  • Phase 1 (30 Minuten bis 12 Stunden nach Einnahme): Die betroffene Person wirkt oft wie betrunken. Es kommt zu Schwindel, torkelndem Gang, Sprachstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Da Ethylenglykol süßlich schmeckt, wird die Gefahr oft unterschätzt.
  • Phase 2 (12 bis 24 Stunden nach Einnahme): In dieser Phase werden Herz und Lunge angegriffen. Es kann zu schnellem Herzschlag, hohem Blutdruck und Atemnot kommen. Der Körper "übersäuert" (metabolische Azidose).
  • Phase 3 (24 bis 72 Stunden nach Einnahme): Das Hauptrisiko ist nun ein akutes Nierenversagen. Die beim Abbau entstehenden Oxalsäurekristalle verstopfen die feinen Kanäle in den Nieren und zerstören das Gewebe. Ohne Behandlung führt dies zum Tod.

3. Was ist sofort zu tun? (Erste Hilfe)

  1. Notruf 112 wählen: Warte nicht, bis Symptome auftreten! Wenn die Symptome da sind, ist die Vergiftung bereits fortgeschritten.
  2. Kein Erbrechen herbeiführen: Das kann die Speiseröhre zusätzlich schädigen oder dazu führen, dass Flüssigkeit in die Lunge gelangt.
  3. Giftnotruf anrufen: Halte die Verpackung des Mittels bereit, um genau sagen zu können, welche Inhaltsstoffe enthalten sind.
  4. Nichts essen oder trinken (außer auf ausdrückliche Anweisung von medizinischem Fachpersonal).

4. Wie wird im Krankenhaus behandelt?

  • Gegengift (Antidot): Die Ärzte verabreichen oft Fomepizol oder (wenn nicht verfügbar) hochprozentigen Ethanol (Trinkalkohol) intravenös. Der Alkohol besetzt die Enzyme, die das Frostschutzmittel abbauen würden, sodass das giftige Ethylenglykol unverarbeitet über den Urin ausgeschieden werden kann.
  • Dialyse: Wenn die Konzentration im Blut sehr hoch ist oder die Nieren bereits geschädigt sind, muss das Blut künstlich gereinigt werden.
  • Magenspülung: Nur wenn die Einnahme erst ganz kurz zurückliegt.

Zusammenfassung

Frostschutzmittel ist extrem tückisch, weil es anfangs "nur" wie ein Rausch wirkt, aber innerhalb kurzer Zeit zu irreversiblem Nierenversagen und zum Tod führen kann. Jede verschluckte Menge, auch eine kleine, muss sofort ärztlich untersucht werden.

Telefonnummern Giftnotruf (Beispiele):

  • Berlin: 030 19240
  • Bonn: 0228 19240
  • München: 089 19240
  • Wien (Österreich): +43 1 406 43 43
  • Zürich (Schweiz): 145
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