Was passiert, wenn die maximale Schichtdicke des Fliesenklebers überschritten wird?
Wenn die maximale Schichtdicke von Fliesenkleber (bei Dünnbettmörtel meist ca. 5 mm, bei Mittelbettmörtel bis zu 15–20 mm) überschritten wird, hat das mehrere negative Auswirkungen auf die Haltbarkeit und Optik des Belags.
Hier sind die wichtigsten Probleme, die auftreten können:
1. Hoher Schwund und Rissbildung
Fliesenkleber auf Zementbasis zieht sich beim Trocknen leicht zusammen (Schwindverhalten). Wenn die Schicht zu dick ist, ist dieser Volumenschwund so groß, dass enorme Spannungen entstehen.
- Die Folge: Es können Risse im Kleberbett entstehen, die sich bis in die Fugen oder – bei empfindlichen Materialien – sogar bis in die Fliese selbst fortsetzen.
2. Absacken der Fliesen („Hohlstellen“)
Ein zu dickes Kleberbett kann das Gewicht der Fliese im nassen Zustand oft nicht halten.
- Die Folge: Die Fliese sinkt ungleichmäßig ein (sie „schwimmt“ oder sackt ab). Dadurch entstehen Überzähne (Kanten zwischen den Fliesen), und es bilden sich Hohlräume unter der Fliese, da der Kleber unter dem Gewicht zur Seite wegdrückt. Hohlstellen sind kritisch, da die Fliese dort bei Belastung leicht brechen kann.
3. Extrem lange Trocknungszeit
Fliesenkleber härtet chemisch aus und trocknet durch Abgabe von Feuchtigkeit. Bei einer zu dicken Schicht kann die Feuchtigkeit nicht schnell genug entweichen, besonders bei großformatigen, dichten Fliesen (Feinsteinzeug).
- Die Folge: Der Kleber bleibt im Kern sehr lange weich. Wenn die Fläche zu früh begangen oder verfugt wird, lösen sich die Fliesen wieder oder das Fugenbild wird durch aufsteigende Feuchtigkeit verfärbt.
4. Spannungen führen zur Ablösung
Durch den oben genannten Schwund beim Trocknen entstehen Zugkräfte.
- Die Folge: Der Kleber kann die Haftung zum Untergrund oder zur Fliese verlieren. Die Fliese „schüsselt“ (wölbt sich leicht) oder klingt beim Abklopfen hohl und löst sich schlimmstenfalls komplett ab.
5. Chemische Probleme (Hydratation)
Zement benötigt eine gewisse Menge Wasser zur Erhärtung. In extrem dicken Schichten kann die Feuchtigkeitsverteilung so ungleichmäßig sein, dass der Kleber nicht überall korrekt kristallisiert und somit nicht seine volle Endfestigkeit erreicht.
Was sollte man stattdessen tun?
Wenn der Untergrund zu uneben ist oder ein bestimmtes Niveau erreicht werden muss:
- Ausgleichsmasse verwenden: Bei Bodenunebenheiten über 5–10 mm sollte man vorher eine selbstverlaufende Bodenausgleichsmasse (Nivelliermasse) auftragen.
- Mittelbettmörtel wählen: Wenn man bewusst dickere Schichten (bis ca. 15 mm) kleben muss, muss ein spezieller Mittelbettkleber verwendet werden. Dieser ist so formuliert, dass er spannungsarm und schrumpffrei auch in höheren Schichten aushärtet.
- Vorspachteln: Kleinere Löcher im Untergrund können einen Tag vor dem Fliesen mit dem Kleber "zugespachtelt" werden, damit dieser bereits schwinden und aushärten kann, bevor die eigentliche Verlegung erfolgt.
Fazit: Versuchen Sie niemals, größere Höhenunterschiede allein mit normalem Dünnbettkleber auszugleichen. Das Risiko für spätere Schäden (Risse, lose Fliesen) ist sehr hoch.