Was passiert mit der Isolierung von NYM-Kabeln bei dauerhaftem Kontakt mit Styropor oder Dämmstoffen?

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Bei dauerhaftem direktem Kontakt zwischen NYM-Kabeln (PVC-isoliert) und Styropor (expandiertem Polystyrol/EPS) oder ähnlichen harten Schaumkunststoffen kommt es zu einer chemischen Reaktion, die als Weichmacherwanderung bezeichnet wird.

Hier ist eine detaillierte Erklärung, was passiert und welche Folgen das hat:

1. Der chemische Prozess: Weichmacherwanderung

Die Isolierung von NYM-Kabeln besteht aus PVC (Polyvinylchlorid). Damit dieses Material flexibel bleibt, werden ihm bei der Herstellung Weichmacher (meist Phthalate) zugesetzt.

Styropor hat die physikalische Eigenschaft, diese Weichmacher wie ein Schwamm "aufzusaugen". Da die Moleküle der Weichmacher im PVC nicht fest gebunden sind, wandern sie mit der Zeit aus dem Kabelmantel in das Styropor über.

2. Die Folgen für das Kabel

  • Versprödung: Da das Kabel seine Weichmacher verliert, wird die Isolierung (sowohl der äußere Mantel als auch die Isolierung der einzelnen Adern) hart und brüchig.
  • Rissbildung: Schon bei geringen mechanischen Belastungen, Vibrationen oder thermischen Ausdehnungen kann die spröde Isolierung reißen.
  • Kurzschluss- und Brandgefahr: Wenn die Isolierung der inneren Adern bricht, kann es zu Lichtbögen oder Kurzschlüssen kommen, was eine erhebliche Brandgefahr darstellt.

3. Die Folgen für das Styropor

  • An den Kontaktstellen kann das Styropor weich oder klebrig werden oder sich sogar leicht verformen/auflösen, da die Weichmacher das Polystyrol anlösen.

4. Zeitfaktor

Dieser Prozess geschieht nicht über Nacht. Es ist ein schleichender Vorgang, der Jahre oder Jahrzehnte dauern kann. Oft bemerkt man den Schaden erst, wenn man das Kabel nach langer Zeit bewegen muss oder wenn es zu elektrischen Fehlern kommt.

5. Was ist mit anderen Dämmstoffen?

  • Mineralwolle (Glaswolle/Steinwolle): Hier findet keine Weichmacherwanderung statt. Es gibt keine chemische Unverträglichkeit.
  • Problem Wärmestau: Unabhängig von der Chemie gibt es bei allen Dämmstoffen (auch Mineralwolle) ein thermisches Problem. Da das Kabel von Dämmmaterial umschlossen ist, kann die im Betrieb entstehende Wärme nicht abgeführt werden. Die Strombelastbarkeit des Kabels sinkt dadurch erheblich. Ein Kabel, das in Dämmung liegt, darf deutlich weniger stark belastet werden als ein Kabel unter Putz oder in freier Luft (Verlegearten gemäß DIN VDE 0298-4).

6. Wie vermeidet man das Problem?

Um den direkten Kontakt zwischen NYM und Styropor zu verhindern, gibt es folgende Lösungen:

  1. Installationsrohre (Leerrohre): Das Kabel wird in einem Kunststoffrohr (z. B. aus PVC oder PE) verlegt. Das Rohr dient als Barriere.
  2. Verlegung in einer Putzschicht: Zwischen Styropor und Kabel sollte eine Trennschicht (z. B. Mörtel/Putz) liegen.
  3. Abstandshalter: Mechanische Trennung der Materialien.
  4. Spezielle Kabel: Es gibt halogenfreie Kabel (z. B. NHXMH), die keine Weichmacher enthalten, die wandern könnten. Diese sind jedoch teurer und sollten dennoch hinsichtlich der Wärmeabfuhr geprüft werden.

Fazit: Der direkte Kontakt von NYM-Kabeln mit Styropor ist nicht zulässig und ein Verstoß gegen die anerkannten Regeln der Technik, da er die langfristige Sicherheit der Elektroinstallation gefährdet.