Was passiert mit dem Signal, wenn die äußere Kunststoffisolierung des Antennenkabels beschädigt ist?
Wenn die äußere Kunststoffisolierung (der sogenannte Mantel) eines Antennenkabels (Koaxialkabel) beschädigt ist, passiert mit dem Signal zunächst oft gar nichts Merkbares. Langfristig führt dies jedoch fast immer zu einem Totalausfall oder einer massiven Verschlechterung der Signalqualität.
Hier sind die physikalischen und technischen Folgen im Detail:
1. Hauptproblem: Feuchtigkeit (Oxidation)
Das größte Risiko bei einer beschädigten Isolierung ist das Eindringen von Wasser oder Luftfeuchtigkeit.
- Korrosion: Das Geflecht (die Abschirmung) unter dem Mantel besteht meist aus Kupfer oder Aluminium. Wenn Feuchtigkeit eindringt, beginnt das Metall zu oxidieren (es rostet im weitesten Sinne). Oxidiertes Metall leitet schlechter.
- Kapillareffekt: Das Kabel wirkt wie ein Strohhalm. Einmal eingedrungene Feuchtigkeit kann sich über Meter hinweg im Inneren des Kabels ausbreiten und so auch Anschlüsse oder Verstärker erreichen und zerstören.
2. Veränderung des Wellenwiderstands (Impedanz)
Ein Antennenkabel ist präzise gefertigt, um einen bestimmten Widerstand (meist 75 Ohm) zu halten.
- Dielektrikum: Wenn Wasser in das Isolationsmaterial zwischen Innenleiter und Schirm eindringt, ändern sich dessen elektrische Eigenschaften.
- Reflektionen: Durch die Änderung des Widerstands wird ein Teil des Signals an der Schadstelle reflektiert und läuft zurück zur Quelle. Dies führt zu „Geisterbildern“ (bei analogem Signal) oder hohen Fehlerraten (Bitfehler) bei digitalem Empfang (DVB-S/T2/C). Das Signal wird schwächer und instabil.
3. Verlust der Schirmung (Interferenzen)
Der Mantel hält das Schirmgeflecht in Position. Ist er kaputt, kann das Geflecht reißen oder sich lockern.
- Einstrahlung: Andere Funkwellen (WLAN, Mobilfunk/LTE, Mikrowellen) können ungehindert in das Kabel eindringen und das eigentliche Signal stören.
- Abstrahlung: Das Signal aus dem Kabel kann nach außen dringen. Das ist in Deutschland sogar gesetzlich verboten, da es den Funkverkehr (z. B. Flugfunk) stören könnte.
4. Dämpfung
Durch Korrosion und Feuchtigkeit steigt die sogenannte Dämpfung des Kabels massiv an. Das bedeutet, dass am Ende des Kabels viel weniger Energie ankommt, als am Anfang eingespeist wurde. Besonders hohe Frequenzen (wie sie bei Satellitenfernsehen genutzt werden) verschwinden zuerst.
Was solltest du tun?
- Kurzfristig (Notlösung): Wenn der Riss klein ist und das Kabel im Trockenen liegt, kann man ihn mit hochwertigem Isolierband oder (besser) selbstverschweißendem Kautschukband abdichten. Das verhindert zumindest das weitere Eindringen von Luftfeuchtigkeit.
- Im Außenbereich: Hier hilft Klebeband kaum. Sobald Feuchtigkeit im Kabel ist, muss das beschädigte Stück großzügig herausgeschnitten und durch ein neues Kabel ersetzt werden (Verbindung mittels F-Steckern und einer Kupplung, die wiederum wetterfest abgedichtet werden muss).
- Langfristig: Die beste Lösung ist der komplette Austausch des Kabels, da die Korrosion im Inneren oft schon weiter fortgeschritten ist, als man von außen sieht.
Fazit: Eine beschädigte Isolierung ist eine "tickende Zeitbombe" für die Signalqualität. Auch wenn der Fernseher noch läuft, wird er bei schlechtem Wetter oder im Laufe der nächsten Monate vermutlich mit Bildaussetzern reagieren.