Was ist der genaue technische Unterschied zwischen Sicherheitsstiefeln der Schutzklasse S2 und der Klasse S3?
Der wesentliche technische Unterschied zwischen Sicherheitsstiefeln der Klasse S2 und S3 (gemäß der Norm EN ISO 20345) lässt sich auf zwei Hauptmerkmale reduzieren: den Durchtrittschutz und die Profilierung der Sohle.
Hier ist der detaillierte Vergleich:
1. Die Gemeinsamkeiten (Was beide haben)
Sowohl S2 als auch S3 erfüllen alle Anforderungen der Basisklasse S1 sowie zusätzliche Anforderungen für Nässe:
- Zehenschutzkappe: Schutz vor Stößen (bis 200 Joule) und Druck (bis 15 kN).
- Antistatik: Schutz vor elektrischer Aufladung.
- Energieaufnahme im Fersenbereich: Dämpfung beim Gehen.
- Kraftstoffbeständigkeit: Die Sohle ist resistent gegen Öl und Benzin.
- Wasserdichtigkeit (WRU/WPA): Das Obermaterial muss mindestens 60 Minuten lang das Eindringen von Wasser verhindern bzw. verzögern.
2. Die Unterschiede (Das "Plus" bei S3)
Der Sprung von S2 auf S3 bedeutet technisch gesehen:
A. Durchtritthemmung (Puncture Resistance)
- S2: Hat keinen Durchtrittschutz. Wenn Sie in einen Nagel treten, bohrt sich dieser ungehindert durch die Sohle in den Fuß.
- S3: Verfügt zwingend über eine durchtrittsichere Zwischensohle. Diese besteht entweder aus:
- Stahlblech: Klassisch, sehr sicher, aber schwerer und weniger flexibel.
- Textilen Materialien (z.B. Kevlar): Leichter, flexibler, bietet Kälteschutz, deckt aber die gesamte Fußfläche besser ab als Stahl.
B. Profilierte Laufsohle
- S2: Eine Profilierung ist nicht zwingend vorgeschrieben. S2-Schuhe haben oft glattere Sohlen, die für ebene Industrieböden optimiert sind.
- S3: Eine profilierte Außensohle ist Pflicht. Dies dient der Trittsicherheit auf unebenem, losem oder rutschigem Untergrund (z. B. auf Baustellen im Matsch oder auf Schutt).
3. Zusammenfassung im Überblick
| Merkmal | Schutzklasse S2 | Schutzklasse S3 |
|---|---|---|
| Zehenschutzkappe | Ja | Ja |
| Wasserdichtes Obermaterial | Ja | Ja |
| Antistatik / Ölresistenz | Ja | Ja |
| Durchtrittschutz (Sohle) | Nein | Ja |
| Profilierte Sohle | Nein (optional) | Ja (Pflicht) |
4. Welcher Schuh für welchen Einsatz?
- S2-Stiefel werden meist in Bereichen eingesetzt, in denen es feucht werden kann, aber keine Gefahr durch spitze Gegenstände am Boden besteht.
- Beispiele: Lagerlogistik, Lebensmittelindustrie, Werkstätten mit sauberem Boden, Transportwesen.
- S3-Stiefel sind der Standard für das Baugewerbe und das Handwerk. Überall dort, wo Nägel, Metallspäne oder spitze Steine auf dem Boden liegen können und im Außenbereich gearbeitet wird.
- Beispiele: Hoch- und Tiefbau, Zimmereien, Garten- und Landschaftsbau, Abbruchunternehmen.
Hinweis zur neuen Norm (EN ISO 20345:2022): In der neuesten Fassung der Norm gibt es Unterteilungen wie S3S (metallfreier Durchtrittschutz, kleiner Prüfstift) oder S3L (metallfreier Durchtrittschutz, großer Prüfstift). Das Grundprinzip – dass S3 im Gegensatz zu S2 durchtrittsicher ist – bleibt jedoch die entscheidende Unterscheidung.