Was hat es mit der Tradition der kunstvollen Blumenteppiche auf sich, die zu Fronleichnam (Corpus Christi) die Straßen von Sitges schmücken?

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Die Tradition der kunstvollen Blumenteppiche in Sitges (Katalonien) zu Fronleichnam (katalanisch: Corpus Christi) ist eines der spektakulärsten und farbenfrohesten Feste Spaniens. Sie hat eine tiefe religiöse Wurzel, hat sich aber über die Jahrzehnte zu einem bedeutenden kulturellen und künstlerischen Ereignis entwickelt.

Hier sind die wichtigsten Aspekte dieser Tradition:

1. Der Ursprung und die Geschichte

Die Tradition in Sitges reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die erste schriftliche Erwähnung eines Blumenteppichs in der Stadt stammt aus dem Jahr 1852. Ursprünglich war es ein einfacher Brauch, bei dem Anwohner Blumen vor ihren Häusern verstreuten, um den Weg für die religiöse Prozession zu schmücken. Über die Zeit wurden daraus immer komplexere, kunstvoll gestaltete Bilder.

2. Der religiöse Zweck

Fronleichnam feiert die leibliche Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Der Höhepunkt des Festes ist die feierliche Prozession, bei der die Monstranz durch die Straßen getragen wird. Die Blumenteppiche dienen als „heiliger Teppich“: Nur die Prozession (der Priester mit der Monstranz) darf über diese Kunstwerke schreiten. Damit symbolisieren die Teppiche die Ehrerbietung und die Vergänglichkeit des Irdischen gegenüber dem Göttlichen.

3. Die Herstellung: Ein Gemeinschaftswerk

Die Vorbereitungen beginnen oft Monate im Voraus mit dem Entwurf der Motive.

  • Das Material: Es werden schätzungsweise über 350.000 Nelken verwendet, ergänzt durch andere Blumenarten, Grasschnitt, Kaffeesatz oder Reishülsen für die Konturen.
  • Die Arbeit: In der Nacht von Samstag auf den Sonntag vor Fronleichnam oder sehr früh am Sonntagmorgen beginnen die Anwohner, Vereine und Schulen damit, die Straßen zu sperren. Zuerst werden die Umrisse mit Kreide auf den Boden gezeichnet, dann werden die Millionen von Blütenblättern vorsichtig aufgefüllt.
  • Das Ergebnis: Ganze Straßenzüge verwandeln sich in ein duftendes Meer aus Farben und Mustern, die oft religiöse Symbole, aber auch lokale Sehenswürdigkeiten oder abstrakte Kunst darstellen.

4. Der Wettbewerb („Concurs de Catifes“)

In Sitges herrscht ein gesunder Wettbewerb zwischen den verschiedenen Straßenabschnitten. Es gibt eine offizielle Jury, die die Teppiche bewertet und Preise in verschiedenen Kategorien vergibt. Dies motiviert die Bewohner, jedes Jahr noch kreativere und technisch anspruchsvollere Designs zu entwerfen.

5. Weitere Besonderheiten in Sitges

Neben den Teppichen gibt es zwei weitere typische Traditionen an diesem Tag:

  • L’Ou com balla (Das tanzende Ei): In den Innenhöfen und auf Brunnen (z. B. am Maricel-Museum) wird ein entleertes Ei auf den Wasserstrahl eines Springbrunnens gesetzt, wo es wie durch Magie „tanzt“. Es symbolisiert den Kreislauf des Lebens und die Eucharistie.
  • Die „Gegants“ (Riesen): Die berühmten riesigen Pappmaché-Figuren von Sitges nehmen ebenfalls an der Prozession teil und tanzen durch die Straßen, bevor die Prozession über die Teppiche schreitet.

6. Die Vergänglichkeit als Teil der Kunst

Das Besondere an dieser Tradition ist ihre extreme Kurzlebigkeit. Nachdem die Bewohner stundenlang an den Teppichen gearbeitet haben, werden sie am Sonntagabend während der Prozession innerhalb weniger Minuten von den Füßen der Teilnehmer zerstört. Dieser Moment hat eine melancholische Schönheit – die Pracht wird geopfert, sobald sie ihren Zweck erfüllt hat.

Warum ist es so bekannt?

Sitges hat es geschafft, diese Tradition so professionell und künstlerisch wertvoll zu pflegen, dass das Fest als „Fiesta de Interés Turístico Nacional“ ausgezeichnet wurde. Es zieht jährlich tausende Besucher aus der ganzen Welt an, die die Stadt in ihrem wohl duftendsten und buntesten Zustand erleben wollen.