Was genau versteht man unter dem Begriff Nahrungsergänzungsmittel?
Unter dem Begriff Nahrungsergänzungsmittel (NEM) versteht man Produkte, die dazu bestimmt sind, die allgemeine Ernährung zu ergänzen. Sie stellen eine Grenzgruppe zwischen herkömmlichen Lebensmitteln und Arzneimitteln dar, gehören rechtlich gesehen aber zu den Lebensmitteln.
Hier sind die wichtigsten Merkmale und Fakten, die Nahrungsergänzungsmittel definieren:
1. Rechtliche Definition
In Deutschland ist die Definition in der Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) festgelegt. Ein NEM muss folgende Kriterien erfüllen:
- Es ist ein Konzentrat von Nährstoffen oder anderen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung.
- Es wird in dosierter Form in den Verkehr gebracht (z. B. als Kapseln, Tabletten, Pillen, Pulverbeutel oder Flüssigampullen).
- Es dient dazu, die normale Ernährung zu ergänzen, nicht sie zu ersetzen.
2. Typische Inhaltsstoffe
Nahrungsergänzungsmittel können eine Vielzahl von Stoffen enthalten, darunter:
- Vitamine (z. B. Vitamin C, Vitamin D, Folsäure)
- Mineralstoffe und Spurenelemente (z. B. Magnesium, Calcium, Eisen, Zink)
- Aminosäuren (Bestandteile von Proteinen)
- Ballaststoffe
- Sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Carotinoide, Flavonoide)
- Pflanzen- oder Kräutextrakte (z. B. Ginseng, Knoblauchextrakt)
3. Abgrenzung zu Arzneimitteln
Dies ist der wichtigste Punkt für Verbraucher:
- Arzneimittel dienen dazu, Krankheiten zu heilen, zu lindern oder zu verhüten. Sie benötigen eine behördliche Zulassung und müssen ihre Wirksamkeit beweisen.
- Nahrungsergänzungsmittel dienen der Gesunderhaltung und der Versorgung des Körpers in bestimmten Situationen. Sie dürfen keine Heilversprechen abgeben (z. B. „Heilt Arthrose“ ist verboten). Sie müssen sicher sein, aber ihre Wirksamkeit wird vor dem Verkauf nicht staatlich geprüft.
4. Kennzeichnungspflicht
Auf der Verpackung von Nahrungsergänzungsmitteln müssen gesetzlich vorgeschriebene Hinweise stehen:
- Die Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel“.
- Die empfohlene tägliche Verzehrmenge (die nicht überschritten werden darf).
- Der Warnhinweis, dass NEM kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sind.
- Der Hinweis, dass die Produkte außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern zu lagern sind.
5. Wann sind sie sinnvoll?
Für die meisten gesunden Menschen, die sich ausgewogen ernähren, sind Nahrungsergänzungsmittel nicht notwendig. Es gibt jedoch bestimmte Risikogruppen oder Lebensphasen, in denen sie sinnvoll sein können:
- Schwangere: Folsäure (zur Vorbeugung von Fehlbildungen).
- Veganer: Vitamin B12 (da dies fast nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt).
- Ältere Menschen: Bei einseitiger Ernährung oder geringem Appetit.
- Menschen mit wenig Sonnenkontakt: Vitamin D (besonders im Winter).
- Personen mit ärztlich diagnostiziertem Mangel: Z. B. Eisenmangel bei Frauen mit starker Menstruation.
Fazit
Nahrungsergänzungsmittel sind konzentrierte Nährstoffe in Pillen- oder Pulverform, die rechtlich als Lebensmittel gelten. Sie sind kein Ersatz für gesundes Essen, können aber in spezifischen Fällen helfen, Versorgungslücken zu schließen. Vor einer dauerhaften Einnahme ist es ratsam, Rücksprache mit einem Arzt zu halten, um Überdosierungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu vermeiden.