Was bedeuten die Kennzahlen (Körnung) auf der Rückseite von Schleifpapier genau und wie beeinflussen sie das Schliffbild?
Die Kennzahlen auf der Rückseite von Schleifpapier (z. B. P80, P120, P400) geben die Körnung an. Diese Zahl ist entscheidend dafür, wie viel Material abgetragen wird und wie glatt die Oberfläche am Ende ist.
Hier ist die genaue Erklärung der Bedeutung und der Auswirkungen auf das Schliffbild:
1. Was bedeutet die Zahl technisch? (Das Sieb-Prinzip)
Die Zahl basiert auf einer standardisierten Maßeinheit (in Europa meist nach dem FEPA-Standard, erkennbar am Buchstaben „P“ vor der Zahl).
- Die Definition: Die Zahl gibt an, wie viele Maschen ein Sieb pro Zoll (25,4 mm) hat, durch das die Schleifkörner bei der Herstellung gerade noch hindurchfallen.
- Kleine Zahl (z. B. P40): Grobes Sieb mit wenigen, weiten Maschen $\rightarrow$ Große Schleifkörner passen durch.
- Große Zahl (z. B. P400): Feines Sieb mit sehr vielen, engen Maschen $\rightarrow$ Nur winzige Schleifkörner passen durch.
Merksatz: Je höher die Zahl, desto feiner das Schleifmittel.
2. Einfluss auf das Schliffbild
Die Körnung bestimmt zwei Faktoren: den Materialabtrag (wie viel weggenommen wird) und die Rautiefe (wie tief die Kratzer im Material sind).
- Grobe Körnung (P40 bis P80):
- Schliffbild: Erzeugt tiefe, sichtbare Riefen.
- Wirkung: Hoher Abtrag. Ideal, um alte Lackschichten zu entfernen, Unebenheiten im Holz zu ebnen oder Kanten abzurunden.
- Mittlere Körnung (P100 bis P150):
- Schliffbild: Die Kratzer werden feiner und sind mit bloßem Auge kaum noch als Einzelkratzer erkennbar.
- Wirkung: Beseitigt die groben Spuren des Vorschliffs und bereitet das Holz für die weitere Bearbeitung vor.
- Feine Körnung (P180 bis P240):
- Schliffbild: Die Oberfläche wirkt glatt und gleichmäßig.
- Wirkung: Endschliff vor dem Lackieren, Ölen oder Beizen. Die Poren werden fein "geputzt".
- Sehr feine Körnung (P400 bis P3000+):
- Schliffbild: Erzeugt eine seidenglänzende bis spiegelnde Oberfläche.
- Wirkung: Wird oft für den Zwischenschliff von Lackschichten, zum Polieren von Metall oder für Nassschliff (bei Autolacken) verwendet.
3. Die wichtigste Regel: Der Stufeneffekt
Um ein perfektes Schliffbild ohne sichtbare Kratzer zu erhalten, darf man die Körnungen nicht beliebig mischen. Man arbeitet sich stufenweise von grob nach fein vor.
Die goldene Regel: Überspringen Sie nie mehr als eine Körnungsstufe.
- Richtig: P80 $\rightarrow$ P120 $\rightarrow$ P180.
- Falsch: P80 $\rightarrow$ P240 (Die feinen Körner des P240 sind zu klein, um die tiefen „Täler“, die das P80-Papier gerissen hat, wegzuschleifen. Die Kratzer bleiben unter dem Lack sichtbar).
4. Besonderheit: Der Buchstabe „P“
Auf europäischem Schleifpapier steht fast immer ein P vor der Zahl (z. B. P120). Dies garantiert, dass die Körner eine sehr enge Toleranz bei der Größe haben. Fehlt das P (oft bei US-amerikanischen Produkten nach ANSI-Standard), können die Korngrößen stärker variieren, was zu einem ungleichmäßigeren Schliffbild führen kann.
Zusammenfassung
| Körnung | Bereich | Anwendung |
|---|---|---|
| P12 - P36 | Extra Grob | Entfernen von Kleberresten, extrem dicken Lackschichten. |
| P40 - P80 | Grob | Grundschliff, Holz ebnen, Rost entfernen. |
| P100 - P150 | Mittel | Vorschliff für Holzoberflächen, leichte Unebenheiten. |
| P180 - P240 | Fein | Fertigschliff vor dem Ölen/Lackieren. |
| P320 - P600 | Sehr Fein | Lackzwischenschliff (um aufgestellte Fasern zu kappen). |
| P800 - P3000 | Extra Fein | Polieren, Nassschliff bei Metall/Lack. |