Warum wird ein Baguette aufgrund seiner Beschaffenheit wesentlich schneller hart oder zäh als andere Brotsorten?

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Dass ein Baguette bereits nach wenigen Stunden seine appetitliche Knusprigkeit verliert und entweder hart oder zäh (ledrig) wird, liegt an seiner speziellen chemischen Zusammensetzung und seiner physikalischen Form.

Hier sind die Hauptgründe für dieses schnelle „Altbackenwerden“:

1. Das Fehlen von Fett (Magerteig)

Ein klassisches Baguette besteht nur aus vier Zutaten: Weizenmehl, Wasser, Salz und Hefe. Es enthält kein Fett (wie Butter oder Öl) und keinen Zucker.

  • Die Rolle von Fett: In anderen Brotsorten (wie Toastbrot oder Brioche) legen sich Fettmoleküle um die Stärkekörner und verzögern das Austrocknen sowie die Kristallisation der Stärke.
  • Die Folge beim Baguette: Ohne diese Schutzschicht kann die Feuchtigkeit ungehindert aus der Krume in die Kruste und nach außen wandern.

2. Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen

Das Baguette hat eine extrem langgestreckte Form. Im Vergleich zu einem runden Laib Brot hat es eine sehr große Krustenoberfläche im Verhältnis zum weichen Inneren (der Krume).

  • Da die Feuchtigkeit über die Oberfläche verdunstet, bietet das Baguette eine riesige „Angriffsfläche“ für den Feuchtigkeitsverlust. Ein kompakter, runder Laib bewahrt die Feuchtigkeit im Inneren viel länger.

3. Feuchtigkeitswanderung und die „Zähigkeit“

Das Baguette wird oft nicht nur hart, sondern zunächst zäh (ledrig). Das liegt an der Wanderung des Wassers:

  • Frisch aus dem Ofen ist die Kruste extrem trocken und die Krume feucht.
  • Nach dem Backen beginnt der Ausgleich: Die Feuchtigkeit wandert von der Krume in die Kruste.
  • Da die Kruste beim Baguette sehr dünn ist, wird sie durch diese Feuchtigkeit schnell weich und verliert ihre Sprödigkeit – sie wird „gummiartig“ oder zäh.

4. Die Retrogradation der Stärke

Dies ist ein chemischer Prozess, der bei allen Broten stattfindet, beim Baguette aber besonders spürbar ist:

  • Beim Backen nimmt die Stärke im Mehl Wasser auf und quillt auf (verkleistert).
  • Sobald das Brot abkühlt, wollen die Stärkemoleküle in ihren ursprünglichen, kristallinen (harten) Zustand zurückkehren. Sie geben das gebundene Wasser wieder ab.
  • Da Weizenmehl (Type 550 oder französisches T65) einen hohen Stärkeanteil hat und beim Baguette kaum Ballaststoffe (wie in Vollkornbrot) oder Fette den Prozess bremsen, geschieht diese Kristallisation sehr schnell.

5. Die grobe Porung (Alveolierung)

Ein gutes Baguette zeichnet sich durch große Luftlöcher in der Krume aus.

  • Diese großen Poren bedeuten, dass die Krume sehr luftig und dünnwandig ist.
  • Viel Luftkontakt innerhalb des Brotes beschleunigt das Austrocknen der ohnehin geringen Substanz zusätzlich.

Zusammenfassung

Das Baguette ist auf kurzfristigen Genuss ausgelegt. Seine Struktur (viel Kruste, wenig Krume, keine konservierenden Fette) sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit sehr schnell entweicht oder sich so umverteilt, dass die Kruste zäh und das Innere trocken wird.

Tipp: Wenn ein Baguette zäh geworden ist, kann man es kurz mit Wasser bestreichen und erneut für wenige Minuten in den heißen Ofen legen. Dadurch wird die Stärke kurzzeitig wieder „reaktiviert“ und die Kruste durch die Verdunstung des aufgetragenen Wassers wieder kross. Danach muss es aber sofort gegessen werden!