Warum wird die Kapazität des USB-Sticks falsch angezeigt?
Dass die Kapazität eines USB-Sticks (oder einer Festplatte) unter Windows oder anderen Betriebssystemen kleiner angezeigt wird, als auf der Verpackung steht, ist fast immer auf zwei Hauptgründe zurückzuführen.
Hier sind die Erklärungen:
1. Der Hauptgrund: Unterschiedliche Rechenweisen (Dezimal vs. Binär)
Dies ist der häufigste Grund für die Abweichung. Es ist ein Missverständnis zwischen der Marketing-Abteilung der Hersteller und der Arbeitsweise von Computern.
- Die Hersteller (Dezimal-System): Für Hersteller ist 1 Gigabyte (GB) = 1.000 Megabyte = 1.000.000 Kilobyte = 1.000.000.000 Byte. Sie rechnen im 10er-System, weil die Zahlen dadurch größer und "schöner" aussehen.
- Der Computer/Windows (Binär-System): Computer arbeiten mit dem 2er-System. Für ein Betriebssystem ist 1 Gigabyte (eigentlich ein Gibibyte, GiB) = 1.024 Megabyte = 1.048.576 Kilobyte = 1.073.741.824 Byte.
Das Ergebnis: Wenn du einen 64 GB Stick kaufst, enthält dieser laut Hersteller 64.000.000.000 Byte. Teilt der Computer diese Zahl durch 1.024 (dreimal hintereinander, um auf GB zu kommen), bleiben nur noch etwa 59,6 GB übrig.
| Angegebene Größe | Tatsächliche Kapazität (ca.) |
|---|---|
| 16 GB | ~ 14,9 GB |
| 32 GB | ~ 29,8 GB |
| 64 GB | ~ 59,6 GB |
| 128 GB | ~ 119 GB |
2. Das Dateisystem (Overhead)
Damit ein USB-Stick Daten speichern kann, muss er formatiert sein (z. B. in FAT32, exFAT oder NTFS).
- Das Dateisystem braucht selbst einen gewissen Platz, um eine Art "Inhaltsverzeichnis" (die Master File Table oder FAT) zu führen. Hier wird gespeichert, welche Datei wo liegt.
- Je nach Formatierung gehen so einige Megabyte für die Verwaltung der Daten verloren.
3. Versteckte Partitionen oder nicht zugeordneter Speicher
Manchmal zeigt der Stick deutlich weniger an (z. B. nur 200 MB statt 32 GB). Das kann folgende Ursachen haben:
- Boot-Sticks: Wenn der Stick als Installationsmedium (z. B. für Linux oder Windows) genutzt wurde, wurde oft eine kleine Partition erstellt. Der Rest des Speichers ist "nicht zugeordnet".
- Wiederherstellungs-Partitionen: Manche Hersteller liefern Software auf dem Stick mit, die in einer geschützten Partition liegt.
Lösung: Schau in der Windows-Datenträgerverwaltung nach. Dort siehst du, ob ein Teil des Speichers schwarz markiert als "Nicht zugeordnet" angezeigt wird. Du kannst dort alle Partitionen löschen und eine neue große Partition erstellen.
4. Vorsicht vor Fälschungen ("Fake Flash")
Wenn die Kapazität massiv abweicht (du kaufst billig 1 TB und bekommst nur 32 GB angezeigt) oder wenn Dateien beim Kopieren verschwinden/beschädigt werden, könnte es ein gefälschter Stick sein.
- Bei diesen Sticks wird der Controller so manipuliert, dass er dem Computer eine falsche Größe vorgaukelt. Sobald man jedoch mehr Daten aufspielt, als physikalisch Speicher vorhanden ist, werden alte Daten überschrieben.
- Tipp: Mit dem Tool H2testw lässt sich die echte Kapazität eines USB-Sticks zuverlässig prüfen.
Zusammenfassung
In den meisten Fällen fehlen ca. 7–10 % der Kapazität aufgrund der Umrechnung von Dezimal zu Binär. Das ist völlig normal und kein Defekt.