Warum wird der Rauch einer Zigarre gepafft und nicht auf Lunge inhaliert?
Das Paffen von Zigarren – also den Rauch nur in den Mundraum zu nehmen und wieder auszustoßen, ohne ihn zu inhalieren – hat chemische, biologische und geschmackliche Gründe.
Hier sind die wichtigsten Faktoren im Detail:
1. Die chemische Beschaffenheit (pH-Wert)
Der entscheidende Unterschied zwischen Zigaretten- und Zigarrenrauch liegt im pH-Wert:
- Zigarettenrauch ist meist sauer. Nikotin in saurem Rauch kann von den Schleimhäuten im Mund kaum aufgenommen werden. Deshalb muss der Rauch tief in die Lunge inhaliert werden, wo er über die riesige Oberfläche der Lungenbläschen ins Blut gelangt.
- Zigarrenrauch ist alkalisch (basisch). Nikotin in alkalischem Milieu kann direkt über die Mundschleimhäute aufgenommen werden. Man erhält also eine Nikotinwirkung, ohne dass der Rauch die Lunge erreichen muss.
2. Der extrem hohe Nikotingehalt
Eine einzige große Zigarre kann so viel Tabak (und damit Nikotin) enthalten wie eine ganze Schachtel Zigaretten (oder sogar mehr). Würde man den Rauch einer starken Zigarre tief auf Lunge inhalieren, käme es bei den meisten Menschen sofort zu einer Nikotinvergiftung. Symptome sind Schwindel, Übelkeit („Zigarren-Übelkeit“), kalter Schweiß und Herzrasen.
3. Geschmack und Aroma
Zigarren gelten als Genussmittel, ähnlich wie ein guter Wein oder Whiskey.
- Die Geschmacksknospen sitzen auf der Zunge und im Gaumen, nicht in der Lunge.
- Zigarrenrauch ist sehr komplex und schwer. Um die feinen Aromen (wie Leder, Erde, Schokolade oder Pfeffer) wahrzunehmen, muss der Rauch im Mund bewegt und langsam ausgestoßen werden.
- Viele Genießer nutzen das „retrohalale“ Ausatmen: Dabei wird ein kleiner Teil des Rauches vorsichtig durch die Nase ausgestoßen, um die Geruchsnerven miteinzubeziehen, ohne den Rauch zu inhalieren.
4. Physische Reizung
Zigarrenrauch ist wesentlich dichter, heißer und konzentrierter als Zigarettenrauch. Da Zigarrentabak meist an der Luft getrocknet und lange fermentiert wird, ist der Rauch für die empfindlichen Lungenbläschen extrem reizend. Wer versucht, eine Zigarre wie eine Zigarette zu rauchen, wird unweigerlich einen heftigen Hustenanfall bekommen.
5. Gesundheitsaspekte
Obwohl Zigarrenrauchen keinesfalls gesund ist, verändert das Paffen das Risikoprofil:
- Inhalieren: Erhöht massiv das Risiko für Lungenkrebs und COPD.
- Paffen: Das Risiko für Lungenkrankheiten ist geringer als bei Zigaretten, dafür steigt das Risiko für Krebserkrankungen im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich sowie für Speiseröhrenkrebs deutlich an.
Zusammenfassend: Man pafft Zigarren, weil der Körper das Nikotin bereits im Mund aufnimmt, die Lunge durch die Intensität überfordert wäre und der volle Geschmack ohnehin nur im Mund- und Nasenraum erlebt werden kann.