Warum wird Augensalbe bevorzugt vor dem Schlafengehen aufgetragen?
Augensalben werden primär aus zwei praktischen und medizinischen Gründen bevorzugt vor dem Schlafengehen aufgetragen:
1. Beeinträchtigung der Sicht („Schleiersehen“)
Augensalben haben eine fettige Konsistenz (meist auf Basis von Vaseline oder Wollwachs). Sobald die Salbe in das Auge eingebracht wird, bildet sie einen dicken Film auf der Hornhaut. Dies führt dazu, dass das Licht nicht mehr klar gebrochen wird und man für längere Zeit – oft 20 bis 30 Minuten oder länger – nur noch verschwommen sieht.
- Sicherheitsrisiko: Im Alltag wäre dies gefährlich (z. B. beim Autofahren, Treppensteigen oder Bedienen von Maschinen).
- Schlafenszeit: Da man im Schlaf die Augen ohnehin geschlossen hat, stört die Sehbeeinträchtigung nicht.
2. Längere Verweildauer und Wirkung
Im Vergleich zu Augentropfen, die sehr flüssig sind und durch den natürlichen Lidschlag sowie den Tränenfluss schnell wieder ausgespült werden, bleibt Salbe viel länger im Auge.
- Konstante Wirkstoffabgabe: Da man nachts kaum blinzelt und die Tränenproduktion reduziert ist, verbleibt die Salbe über Stunden im Bindehautsack. Der Wirkstoff kann so über einen langen Zeitraum kontinuierlich an das Auge abgegeben werden.
- Schutz vor Austrocknung: Bei Patienten mit sehr trockenen Augen (Sicca-Syndrom) verhindert der Fettfilm der Salbe über Nacht, dass die Hornhaut austrocknet und am Augenlid „festklebt“, was morgendliche Schmerzen verhindert.
Zusammenfassung
Man nutzt die Nachtruhe, um die maximale therapeutische Wirkung zu erzielen, ohne die Sicherheit und den Komfort im wachen Zustand durch die stark eingeschränkte Sicht zu gefährden.
Hinweis: Falls eine Salbe mehrmals täglich angewendet werden muss, sollte man nach dem Auftragen tagsüber unbedingt warten, bis die Sicht wieder völlig klar ist, bevor man am Straßenverkehr teilnimmt.