Warum werden Schallplatten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten wie 33 1/3, 45 oder 78 Umdrehungen pro Minute abgespielt?

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Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten von Schallplatten (33 1/3, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute – RPM) sind das Ergebnis einer technologischen Entwicklung, bei der es stets um den Kompromiss zwischen Klangqualität, Spieldauer und Materialkosten ging.

Hier ist die Geschichte dahinter:

1. Die Ära der 78er (ca. 1890 – 1950er Jahre)

Die ersten industriell gefertigten Schallplatten bestanden aus Schellack (einem spröden, natürlichen Harz).

  • Warum 78? In der Frühzeit gab es keinen festen Standard; Geschwindigkeiten zwischen 70 und 80 RPM waren üblich. Um 1925 wurde 78,26 RPM als Standard festgelegt, weil dies die Geschwindigkeit war, die sich mit den damals üblichen Elektromotoren und Getrieben am präzisesten halten ließ.
  • Nachteil: Da die Platte sich sehr schnell dreht, war die Spieldauer gering (nur ca. 3–5 Minuten pro Seite). Zudem waren die Rillen sehr breit („Normalrille“), was viel Platz verbrauchte.

2. Die Einführung der 33 1/3 (1948) – Die „LP“

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte die Firma Columbia Records die Langspielplatte (Long Play oder LP).

  • Technik: Man wechselte von Schellack zu Vinyl (PVC). Vinyl ist glatter und erlaubt viel engere Rillen (die sogenannte „Mikrorille“).
  • Warum 33 1/3? Durch die Kombination aus langsamerer Geschwindigkeit und feineren Rillen konnte man die Spieldauer auf bis zu 25 Minuten pro Seite erhöhen. Das war ideal für klassische Alben oder ganze Sammlungen von Liedern. 33 1/3 war mathematisch gesehen ein guter Kompromiss, um noch eine akzeptable Klangtreue bei maximaler Zeitersparnis zu erreichen.

3. Die Einführung der 45er (1949) – Die „Single“

Nur ein Jahr nach Columbia brachte der Konkurrent RCA Victor ein eigenes Format heraus: die Single mit 45 RPM.

  • Warum 45? Dies war ein strategischer „Formatkrieg“. RCA wollte ein handliches Format für einzelne Hits.
  • Der Vorteil: 45 RPM bietet eine höhere Klangqualität als 33 1/3. Warum? Je schneller die Platte unter der Nadel durchläuft, desto mehr „Platz“ steht pro Sekunde Musik zur Verfügung. Dadurch können hohe Frequenzen und Dynamiksprünge präziser in das Vinyl gepresst werden. Deshalb werden auch heute noch manche audiophile Luxus-Alben auf zwei 45er-Platten statt auf einer 33er gepresst.

Zusammenfassung der Unterschiede:

Geschwindigkeit Name Material Hauptzweck
78 RPM Schellackplatte Schellack Historisches Format, kurze Spieldauer.
33 1/3 RPM LP (Long Play) Vinyl Ganze Alben, lange Spieldauer.
45 RPM Single Vinyl Einzelne Songs, Jukeboxen, bessere Klangqualität.

Warum gibt es heute noch beide (33 & 45)?

Heute ist der „Formatkrieg“ längst vorbei, aber beide Geschwindigkeiten haben überlebt, weil sie unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen:

  1. 33 1/3 ist der Standard für das klassische Album, bei dem man nicht alle 10 Minuten aufstehen will, um die Platte umzudrehen.
  2. 45 wird oft für Maxis (im DJ-Bereich) oder audiophile Pressungen genutzt, weil der Sound bei der höheren Geschwindigkeit im Innenbereich der Platte (wo die Rillen enger werden) weniger verzerrt.

Interessanter Fakt: Die großen Löcher in der Mitte von 45er-Singles wurden von RCA eingeführt, damit die Platten in den damals neuartigen, schnellen Plattenwechslern der Jukeboxen besser gegriffen werden konnten.