Warum verträgt sich das Antibeschlagtuch nicht mit Brillen, die eine Lotus-Effekt-Beschichtung haben?

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Das Problem liegt in den gegensätzlichen physikalischen Eigenschaften, die diese beiden Technologien verfolgen. Man kann es sich vereinfacht als einen „Kampf der Oberflächen“ vorstellen.

Hier ist die detaillierte Erklärung:

1. Wie funktioniert der Lotus-Effekt? (Hydrophob)

Brillengläser mit Lotus-Effekt (oft als „Clean-Coat“ oder „superhydrophobe Beschichtung“ bezeichnet) sind darauf ausgelegt, wasserabweisend zu sein. Die Oberfläche ist so glatt und spannungsarm, dass Wassertropfen keine Haftung finden, sich zusammenziehen und einfach abperlen. Das Ziel ist es, Schmutz, Fett und Wasser am Anhaften zu hindern.

2. Wie funktioniert das Antibeschlagtuch? (Hydrophil)

Ein Antibeschlagtuch enthält chemische Substanzen (meist Tenside oder spezielle Polymere), die eine hauchdünne, wasseranziehende (hydrophile) Schicht auf das Glas auftragen sollen. Diese Schicht sorgt dafür, dass kondensierende Feuchtigkeit nicht in Form von winzigen, sichtbehindernden Tröpfchen (Nebel) stehen bleibt, sondern sofort zu einem glatten, transparenten Wasserfilm zerfließt.

3. Warum vertragen sie sich nicht?

Wenn Sie mit dem Antibeschlagtuch über ein Glas mit Lotus-Effekt wischen, passiert Folgendes:

  • Mangelnde Haftung: Die Wirkstoffe des Tuchs versuchen, einen Film zu bilden. Die Lotus-Beschichtung ist jedoch genau darauf spezialisiert, genau solche „Fremdkörper“ abzuweisen. Die chemische Schicht des Tuchs kann sich also nicht gleichmäßig mit der Oberfläche verbinden.
  • Tröpfchenbildung der Chemie: Anstatt einen glatten Film zu bilden, ziehen sich die Wirkstoffe des Antibeschlagtuchs auf der extrem glatten Oberfläche oft selbst in winzige Tröpfchen oder Schlieren zusammen.
  • Schmieren und Streifen: Das Ergebnis ist meist ein „schmieriger“ Effekt. Das Licht bricht sich in der ungleichmäßig verteilten Chemie des Tuchs, was die Sicht eher verschlechtert als verbessert.
  • Wirkungslosigkeit: Da die Substanz nicht haftet, wird sie beim nächsten Kontakt oder sogar schon durch die Luftfeuchtigkeit wieder abgestoßen oder verliert ihre Wirkung innerhalb kürzester Zeit.

Zusammenfassung

Das Antibeschlagtuch will die Oberfläche „benetzbar“ machen, während die Lotus-Beschichtung die Oberfläche „unbenetzbar“ halten will.

Tipp: Wenn Sie eine Brille mit hochwertiger Lotus-Beschichtung haben, helfen oft nur spezielle Antibeschlag-Sprays oder -Gels, die explizit für beschichtete Gläser entwickelt wurden. Diese sind in ihrer chemischen Zusammensetzung etwas aggressiver (im Sinne der Haftung), um kurzzeitig auf der glatten Schicht zu verbleiben – allerdings halten auch diese auf Lotus-Gläsern deutlich kürzer als auf herkömmlichen Gläsern.

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