Warum verlieren manche Arbeitshandschuhe bei Kontakt mit Öl oder Nässe ihre Griffigkeit?

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Dass Arbeitshandschuhe bei Kontakt mit Öl oder Nässe rutschig werden, liegt an physikalischen und materialtechnischen Prozessen. Das Hauptproblem ist die Entstehung eines Schmierfilms, der die Reibung zwischen Handschuh und Werkstück drastisch reduziert.

Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:

1. Der Aquaplaning-Effekt (Flüssigkeitsfilm)

Genau wie bei Autoreifen auf nasser Straße bildet sich zwischen der Oberfläche des Handschuhs und dem Gegenstand eine dünne Schicht aus Wasser oder Öl.

  • Kein direkter Kontakt: Die Flüssigkeit lässt den Handschuh auf dem Werkstück „aufschwimmen“. Da Flüssigkeiten eine geringe innere Reibung haben, gleiten die Oberflächen fast widerstandslos aneinander vorbei.
  • Viskosität: Öl ist oft noch problematischer als Wasser, da es zähflüssiger (viskoser) ist und sich nicht so leicht verdrängen lässt. Es bildet einen stabilen Film, der die Haftreibung unterbricht.

2. Fehlende Ableitungskanäle (Profilierung)

Viele einfache Handschuhe (z. B. aus glattem Nitril oder Latex) haben eine komplett geschlossene, glatte Oberfläche.

  • Flüssigkeiten können nirgendwohin ausweichen. Wenn man zupackt, wird die Flüssigkeit nicht verdrängt, sondern unter dem Druck verteilt, was den Schmierfilm stabilisiert.
  • Moderne Arbeitshandschuhe nutzen deshalb oft „besandete“ Oberflächen oder Mikroschaumbeschichtungen, die wie ein Schwamm oder ein Reifenprofil wirken und die Flüssigkeit von der Kontaktstelle wegleiten.

3. Sättigung des Materials (besonders bei Leder)

Lederhandschuhe verlieren ihre Griffigkeit aus einem anderen Grund:

  • Leder ist porös und saugt Wasser oder Öl auf. Dadurch verändern sich die Fasern des Materials; es wird oft steif oder seifig.
  • Ein vollgesogener Lederhandschuh verliert seine natürliche Textur, die normalerweise für Grip sorgt, und wird an der Oberfläche glitschig.

4. Adhäsion vs. Kohäsion

Grip entsteht durch Adhäsion (das Aneinanderhaften von zwei Oberflächen).

  • Öl hat die Eigenschaft, die Oberflächenspannung zu verändern. Es besetzt die mikroskopisch kleinen Unebenheiten des Handschuhmaterials, die normalerweise für den mechanischen „Verzahnungseffekt“ mit dem Werkstück sorgen. Die Oberfläche wird mikroskopisch gesehen „geglättet“.

Was hilft dagegen? (Moderne Lösungen)

Um diesen Griffigkeitsverlust zu verhindern, haben Hersteller spezielle Beschichtungen entwickelt:

  1. Nitrilschaum (Micro-Foam): Diese Beschichtung ist wie ein sehr feiner Schwamm aufgebaut. Sie saugt kleine Mengen Öl oder Wasser von der Oberfläche weg in die Beschichtung hinein, sodass die Außenseite trocken und griffig bleibt.
  2. Sandy-Finish / Rough-Finish: Hier werden in die Beschichtung feine Partikel (wie Sand oder Kristalle) eingearbeitet. Diese erzeugen eine raue Struktur, die den Flüssigkeitsfilm durchbricht und mechanischen Grip ermöglicht.
  3. Saugfähige Innenhand: Manche Handschuhe haben eine doppelte Beschichtung – unten flüssigkeitsdicht, oben eine Schicht, die Öl bindet, damit es nicht auf der Oberfläche „schwimmt“.
  4. Saugprofile: Ähnlich wie Saugnäpfe im Miniformat, die Flüssigkeiten verdrängen und ein Vakuum erzeugen.

Fazit: Wenn ein Handschuh bei Öl versagt, liegt es meist daran, dass er die Flüssigkeit nicht verdrängen oder absorbieren kann, sodass man auf einem geschlossenen Flüssigkeitsfilm „reitet“.

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