Warum vergilbt Tesafilm nach längerer Zeit und wird spröde?

Melden

Das Vergilben und Sprödewerden von Tesafilm (oder Klebefilm im Allgemeinen) ist ein klassischer chemischer Alterungsprozess. Er lässt sich im Wesentlichen auf drei Hauptursachen zurückführen: UV-Strahlung, Oxidation und den Verlust von Weichmachern.

Hier ist die detaillierte Erklärung:

1. Photo-Oxidation durch UV-Strahlung

Das Sonnenlicht (insbesondere der UV-Anteil) ist der größte Feind von Kunststoffen.

  • Was passiert? Die energiereiche UV-Strahlung bricht die chemischen Bindungen in den langen Polymerketten auf, aus denen die Trägerfolie und der Klebstoff bestehen.
  • Die Folge: Es entstehen freie Radikale, die mit dem Luftsauerstoff reagieren (Oxidation). Diese chemischen Veränderungen führen dazu, dass sich bestimmte Molekülgruppen bilden, die Licht im blauen Bereich absorbieren. Was für unser Auge übrig bleibt, ist das komplementäre gelbe oder bräunliche Licht. Der Film vergilbt.

2. Zersetzung der Polymerketten (Versprödung)

Die Trägerfolie von herkömmlichem Tesafilm besteht meist aus Polypropylen (PP) oder in älteren/anderen Varianten aus PVC oder Zellulosehydrat.

  • Was passiert? Durch die oben genannte Oxidation und den Einfluss von Wärme werden die extrem langen Molekülketten des Kunststoffes in immer kleinere Stücke "zerhackt".
  • Die Folge: Ein Kunststoff ist nur deshalb flexibel, weil die langen Ketten aneinander abgleiten können. Werden diese Ketten zerstört, verliert das Material seine Elastizität. Es wird hart, rissig und zerfällt schließlich bei der kleinsten Berührung – der Tesafilm wird spröde.

3. Migration und Verflüchtigung von Weichmachern

Damit der Klebstoff klebrig und die Folie biegsam bleibt, enthalten viele Klebebänder (vor allem solche auf PVC-Basis) Weichmacher.

  • Was passiert? Diese Moleküle sind nicht fest in die Struktur eingebunden, sondern liegen "lose" zwischen den Polymerketten. Mit der Zeit wandern diese Stoffe an die Oberfläche (Migration) und verdunsten oder ziehen in das Papier ein, auf dem der Film klebt (die typischen fettigen Flecken auf altem Papier).
  • Die Folge: Ohne diese "Schmiermittel" trocknet der Kleber aus und die Folie wird glashart. Der Kleber verliert seine Haftkraft und hinterlässt oft nur noch eine gelbe, krümelige Substanz.

Gibt es Unterschiede?

Ja! Die Haltbarkeit hängt stark vom verwendeten Material ab:

  • Standard-Tesafilm (gelblich-transparent): Basiert oft auf Naturkautschuk-Kleber und PP-Folie. Er vergilbt relativ schnell.
  • Tesafilm "Kristallklar": Nutzt meist Acrylat-Kleber und speziell stabilisierte Folien. Acrylat-Klebstoffe sind chemisch wesentlich stabiler gegenüber UV-Licht und Sauerstoff, weshalb sie viel länger durchsichtig und elastisch bleiben.
  • Tesafilm "Unsichtbar" (mattes Finish): Diese bestehen oft aus Cellulose-Acetat, das von Natur aus alterungsbeständiger ist und kaum vergilbt.

Zusammenfassend: Licht, Sauerstoff und Wärme lösen eine chemische Kettenreaktion aus, die die Struktur des Kunststoffs zerstört und seine optischen Eigenschaften verändert.

0