Warum sollten Säuglinge und Kleinkinder unter vier Jahren laut aktuellen Empfehlungen keinen Fencheltee trinken?

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Die Empfehlung, dass Säuglinge und Kleinkinder unter vier Jahren keinen Fencheltee (sowie andere fenchelhaltige Produkte) konsumieren sollten, basiert auf einer Sicherheitsbewertung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) aus dem Jahr 2023.

Hier sind die genauen Gründe für diese Vorsichtsmaßnahme:

1. Der Inhaltsstoff Estragol

Fenchelfrüchte enthalten von Natur aus den Stoff Estragol. Estragol ist ein Bestandteil des ätherischen Fenchelöls. In Tierversuchen und Zellstudien hat sich gezeigt, dass Estragol in hohen Konzentrationen erbgutschädigend (genotoxisch) und krebserregend (kanzerogen) wirken kann.

2. Fehlende Sicherheitsdaten für Kinder

Zwar gibt es keine direkten Studien am Menschen, die belegen, dass Fencheltee bei Kindern Krebs auslöst, aber es fehlen laut EMA auch Daten, die eine Unbedenklichkeit für diese Altersgruppe garantieren. Da der Organismus von Säuglingen und Kleinkindern noch sehr empfindlich ist und Schadstoffe schlechter abbauen kann, gilt hier das Vorsorgeprinzip.

3. Die neuen Leitlinien der EMA (HMPC)

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der EMA hat daher seine Leitlinien aktualisiert:

  • Kinder unter 4 Jahren: Sollten gar keinen Fencheltee oder fenchelhaltige Produkte (wie Fenchelhonig) erhalten.
  • Kinder zwischen 4 und 11 Jahren: Der Konsum sollte minimiert werden.
  • Schwangere und Stillende: Auch ihnen wird vom Konsum abgeraten, da das Estragol über die Plazenta oder die Muttermilch an das Kind weitergegeben werden kann.

Was bedeutet das für Eltern?

Lange Zeit galt Fencheltee als das Standardmittel gegen Blähungen und die sogenannten „Dreimonatskoliken“. Die neuen Erkenntnisse führen nun zu einem Umdenken:

  • Keine Panik: Wenn ein Kind in der Vergangenheit Fencheltee getrunken hat, besteht kein akuter Grund zur Sorge. Die Warnung bezieht sich auf ein langfristiges Risiko durch regelmäßige Aufnahme.
  • Alternativen bei Blähungen: Experten empfehlen heute eher andere Maßnahmen wie Bauchmassagen („Fliegergriff“), Wärme (Kirschkernkissen) oder, falls nötig und nach Rücksprache mit dem Kinderarzt, Entschäumer-Präparate aus der Apotheke.
  • Durstlöscher: Als Getränk für Kleinkinder sind Wasser oder ungesüßte Früchtetees die bessere Wahl.

Zusammenfassend: Die Empfehlung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme, um Kinder vor potenziell krebserregenden Stoffen zu schützen, solange nicht zweifelsfrei geklärt ist, welche Mengen für die Kleinsten unbedenklich sind.

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