Warum schmeckt Orangensaft unmittelbar nach dem Zähneputzen extrem bitter?
Das unangenehme Geschmackserlebnis von Orangensaft nach dem Zähneputzen liegt an einem bestimmten Inhaltsstoff in fast allen Zahnpasten: Natriumlaurylsulfat (engl. Sodium Lauryl Sulfate, kurz SLS).
Dieses Mittel ist ein Tensid, das dafür sorgt, dass die Zahnpasta im Mund schön schäumt und Schmutz sowie Fette gelöst werden. Auf deine Geschmacksknospen hat SLS jedoch zwei spezifische Auswirkungen, die den Geschmack des Saftes ruinieren:
1. Unterdrückung der Süß-Rezeptoren
SLS betäubt vorübergehend die Rezeptoren auf deiner Zunge, die für den Geschmack „süß“ zuständig sind. Wenn du also Orangensaft trinkst, der normalerweise viel natürlichen Fruchtzucker enthält, kann deine Zunge diese Süße nicht mehr wahrnehmen.
2. Zerstörung von Phospholipiden
In deinem Mund befinden sich Phospholipide. Das sind Fettmoleküle, die eine wichtige Schutzfunktion haben: Sie hemmen normalerweise die Rezeptoren für „bitter“. SLS löst diese Fettschicht jedoch auf (genau wie Spülmittel Fett in der Pfanne löst).
Dadurch liegen deine Bitter-Rezeptoren völlig frei und reagieren extrem empfindlich. Die Bitterstoffe und Säuren in der Orange, die normalerweise durch den Zucker und die Phospholipide abgemildert werden, treffen nun mit voller Wucht auf deine Geschmacksnerven.
Das Ergebnis:
Da die Süße fehlt und die Bitterkeit verstärkt wird, schmeckt der Saft für einige Zeit nicht mehr fruchtig, sondern extrem sauer, beißend und metallisch-bitter.
Tipp: Wenn du morgens nicht auf deinen Saft verzichten willst, solltest du entweder eine SLS-freie Zahnpasta verwenden oder etwa 30 bis 60 Minuten nach dem Putzen warten, bis sich der natürliche Schutzfilm im Mund regeneriert hat. (Außerdem ist es für den Zahnschmelz besser, Saft vor dem Putzen zu trinken oder nach dem Konsum von säurehaltigen Getränken eine Weile mit dem Putzen zu warten.)