Warum reißt der Tesafilm beim Abziehen oft der Länge nach ein?

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Das Einreißen von Tesafilm (oder anderem Klebeband) der Länge nach ist ein bekanntes Ärgernis, das eine klare physikalische und materialtechnische Ursache hat. Es liegt hauptsächlich an der Art und Weise, wie die Kunststofffolie hergestellt wird.

Hier sind die drei Hauptgründe:

1. Die Ausrichtung der Molekülketten (Recken)

Bei der Herstellung von Klebebändern wird der Kunststoff (meist Polypropylen oder PVC) geschmolzen und zu einer dünnen Folie gewalzt. Um die Folie stabil und reißfest zu machen, wird sie gestreckt (man nennt das „Recken“).

  • Dabei richten sich die langen Molekülketten des Kunststoffs in die Zugrichtung aus – also längs zum Band.
  • Das macht das Band extrem stabil, wenn man fest daran zieht (es dehnt sich kaum und reißt nicht so leicht durch).
  • Die Schwachstelle: Die Verbindung zwischen diesen parallel liegenden Molekülketten ist deutlich schwächer als die Ketten selbst. Ein Riss sucht sich immer den Weg des geringsten Widerstands, und der verläuft wie bei einer Holzmaserung parallel zu den Fasern (bzw. Molekülketten).

2. Der „Kerbeffekt“

Wenn du das Klebeband abziehst und es an einer Seite einen winzigen Einschnitt, eine unsaubere Kante oder eine Beschädigung hat, konzentriert sich die ganze Kraft auf diesen Punkt.

  • Da die Moleküle längs orientiert sind, wirkt dieser kleine Makel wie eine Schiene.
  • Sobald der Riss einmal begonnen hat, läuft er fast automatisch an den Molekülketten entlang weiter nach vorne, anstatt quer durch das stabile Material zu wandern.

3. Der Winkel beim Abziehen

Oft ziehen wir das Band nicht ganz gerade von der Rolle ab, sondern leicht schräg oder mit einem ruckartigen Riss.

  • Dadurch entstehen ungleichmäßige Spannungen an der Abrisskante.
  • Wenn die Spannung an einer Seite der Kante größer ist als die Stabilität zwischen den Molekülketten, spaltet sich das Band der Länge nach auf.

Zusammenfassend:

Man kann es sich wie bei frischem Holz vorstellen: Es ist sehr schwer, einen Ast quer durchzubrechen (gegen die Faser), aber es ist sehr leicht, ihn mit einer Axt der Länge nach zu spalten (mit der Faser). Der Tesafilm ist so konstruiert, dass er in der Länge stabil ist, damit er beim Kleben hält – der Preis dafür ist die Anfälligkeit für Längsrisse beim Abziehen.

Tipp: Wenn das Band oft reißt, hilft es, die Rolle langsamer und in einem flacheren Winkel abzuziehen oder darauf zu achten, dass die Seitenkanten der Rolle nicht beschädigt sind (z. B. durch Herunterfallen oder Schmutz).

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