Warum nehmen manche Servietten Flüssigkeiten nur sehr schlecht auf?

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Dass manche Servietten Flüssigkeiten eher „herumschieben“ als aufsaugen, kann verschiedene physikalische und chemische Ursachen haben. Hier sind die Hauptgründe:

1. Das Material (Synthetik vs. Naturfaser)

  • Stoffservietten: Viele Gastronomie-Servietten bestehen aus Polyester oder Mischgewebe. Polyester ist eine Kunstfaser, die im Grunde aus Kunststoff besteht. Kunststoff ist wasserabweisend (hydrophob). Während Baumwolle oder Leinen die Flüssigkeit in die Faser aufsaugen, perlt sie an Polyester einfach ab.
  • Papierservietten: Auch hier gibt es Unterschiede. Hochwertige Servietten bestehen aus reinem Zellstoff, der sehr saugfähig ist. Billigere Varianten haben oft einen hohen Anteil an Recyclingfasern, die kürzer sind und weniger Hohlräume für die Flüssigkeitsaufnahme bieten.

2. Die „Appretur“ (Chemische Veredelung)

Besonders bei neuen Stoffservietten ist oft eine sogenannte Appretur aufgebracht. Das ist eine chemische Schicht (oft auf Stärke- oder Harzbasis), die dafür sorgt, dass die Serviette im Laden oder im Restaurant schön steif ist, glänzt und knitterfrei bleibt. Diese Schicht versiegelt die Oberfläche und verhindert, dass Wasser in die Fasern eindringen kann. Erst nach mehrmaligem Waschen verschwindet diese Schicht und die Serviette wird saugfähig.

3. Bedruckung und Beschichtung

  • Farbauftrag: Motivservietten, die großflächig bedruckt sind, nehmen Flüssigkeit schlechter auf. Die Druckfarbe fungiert wie eine Versiegelung auf dem Papier. Je glänzender und „härter“ der Druck wirkt, desto weniger Kapillarwirkung hat das Papier darunter.
  • Beschichtungen: Manche edel aussehenden Papierservietten (z. B. in Airlaid-Qualität) sind so behandelt, dass sie sich wie Stoff anfühlen. Dabei werden manchmal Bindemittel verwendet, die die Saugfähigkeit zugunsten der Reißfestigkeit reduzieren.

4. Die Oberflächenspannung und Kapillarwirkung

Damit eine Serviette saugt, muss die Kapillarwirkung funktionieren. Das bedeutet, die Zwischenräume zwischen den Fasern müssen klein genug sein, um das Wasser „einzuziehen“, aber groß genug, um es zu halten.

  • Wenn die Fasern zu fest gepresst sind (wie bei sehr glatten, harten Servietten), gibt es keine Hohlräume.
  • Wenn die Fasern mit einer fetthaltigen oder wachsartigen Schicht überzogen sind, ist die Oberflächenspannung des Wassers zu hoch, als dass es in die Fasern eindringen könnte.

5. Zweckentfremdung der Qualität

Häufig werden Servietten eher nach optischen Kriterien (sieht gut aus, steht stabil auf dem Teller) oder nach Kostenaspekten (Polyester ist langlebiger und fleckenresistenter) ausgewählt. Die tatsächliche Funktion – das Reinigen von Mund und Händen oder das Aufsaugen eines verschütteten Getränks – rückt bei der Herstellung dann leider in den Hintergrund.

Fazit: Wenn eine Serviette schlecht saugt, liegt es meist an einem hohen Kunstfaseranteil, einer chemischen Beschichtung (Appretur) oder einer großflächigen Bedruckung, die die Poren verschließt.

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