Warum lassen sich die Kanallisten in einer gedruckten Zeitschrift nicht an die individuelle Senderbelegung des eigenen Fernsehers anpassen?
Dass sich die gedruckte Programmzeitschrift nicht an die persönliche Senderliste anpassen lässt, liegt an den grundlegenden technischen und wirtschaftlichen Prinzipien der Druckindustrie sowie an der Vielfalt der Empfangswege.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Das Prinzip des Massendrucks
Gedruckte Zeitschriften wie „TV Movie“, „Hörzu“ oder „prisma“ werden in Millionenauflage produziert. Um einen günstigen Verkaufspreis (oder die kostenlose Beilage in der Tageszeitung) zu ermöglichen, müssen alle Exemplare identisch sein.
- Individueller Druck (Print-on-Demand) für Millionen von Haushalten wäre logistisch und finanziell unmöglich. Jedes Magazin müsste vor dem Druck mit den Daten des jeweiligen Fernsehers verknüpft werden, was einen enormen Datenaustausch und extrem teure Digitaldruckverfahren erforderte.
2. Die Vielfalt der Empfangswege
Es gibt keinen Standard für die Senderbelegung. Die Liste unterscheidet sich extrem, je nachdem, wie man fernsieht:
- Satellit (Astra): Hunderte Kanäle in einer bestimmten Standardreihenfolge.
- Kabelfernsehen (Vodafone, Telekom, regionale Anbieter): Jeder Anbieter speist die Sender auf anderen Frequenzen und in anderer Reihenfolge ein.
- IPTV/Streaming (MagentaTV, Waipu.tv, Zattoo): Auch hier variieren die Listen.
- Individuelle Sortierung: Die meisten Nutzer sortieren ihre Lieblingssender manuell (z. B. ARD auf 1, ZDF auf 2, ProSieben auf 7). Eine Zeitschrift kann diese Millionen von individuellen Kombinationen nicht kennen oder abbilden.
3. Redaktionelle Gewichtung und Layout
Eine Programmzeitschrift ist ein gestaltetes Layout-Produkt. Die Redaktion entscheidet, welche Sender „groß“ (mit Bild und Tipps) und welche „klein“ (nur Kurzinfos) dargestellt werden.
- Würde man die Liste individualisieren, müsste das gesamte Layout der Seite dynamisch mitrutschen. Das würde oft dazu führen, dass wichtige Informationen oder Bilder nicht mehr passen.
- Die Verlage platzieren die Sender meist nach ihrer Relevanz (Marktanteil). Deshalb sind ARD, ZDF, RTL und ProSieben fast immer vorne und groß abgedruckt.
4. Platzmangel
Ein gedrucktes Heft hat eine begrenzte Seitenzahl. Es ist unmöglich, alle über 100 in Deutschland verfügbaren Free-TV-Sender (plus Pay-TV) gleichwertig abzubilden. Die Verlage müssen eine Auswahl treffen, die für die „breite Masse“ am ehesten passt.
Warum gibt es keine „Hybrid-Lösung“?
Es gab Versuche, über QR-Codes oder Apps eine Brücke zu schlagen, aber letztlich ist das Problem der statischen Materie Papier nicht lösbar.
Was man stattdessen tun kann:
- Anpassung des Fernsehers an die Zeitschrift: Viele Nutzer machen es tatsächlich umgekehrt: Sie sortieren die Sender an ihrem TV-Gerät so um, dass sie der Reihenfolge ihrer Lieblingszeitschrift entsprechen.
- Digitale Programmzeitschriften (Apps): In Apps wie „TV Spielfilm“, „Klack“ oder den elektronischen Programmführern (EPG) der Fernseher selbst lässt sich die Senderliste exakt so sortieren, wie sie auf der Fernbedienung liegt.
Zusammenfassend: Die Zeitschrift ist ein „One-size-fits-all“-Produkt. Damit sie für 2 Euro am Kiosk liegen kann, muss sie für alle Leser gleich sein. Individualität ist technisch das Spielfeld der digitalen Medien.