Warum kommt es zu Ausblühungen in Form von weißen Flecken auf frischem Putzmörtel?
Ausblühungen auf frischem Putzmörtel sind ein bekanntes Phänomen am Bau. Es handelt sich dabei meist um feine, weiße, oft kristalline Ablagerungen an der Oberfläche.
Der Hauptgrund für dieses Phänomen ist ein physikalisch-chemischer Prozess, bei dem gelöste Stoffe aus dem Inneren des Mörtels an die Oberfläche transportiert werden und dort kristallisieren.
Hier sind die Details, warum und wie das passiert:
1. Der chemische Prozess (Kalkausblühung)
Die häufigste Ursache bei frischem Putz (besonders bei kalk- oder zementgebundenen Mörteln) ist die sogenannte Kalkausblühung:
- Lösung: Im frischen Mörtel ist Calciumhydroxid ($Ca(OH)_2$, gelöschter Kalk) enthalten. Dieses löst sich im Anmachwasser oder in eingedrungener Feuchtigkeit.
- Transport: Das Wasser wandert durch die Kapillaren des Putzes an die Oberfläche, um dort zu verdunsten. Dabei nimmt es das gelöste Calciumhydroxid mit.
- Reaktion: An der Oberfläche kommt das Calciumhydroxid mit dem Kohlendioxid ($CO_2$) aus der Luft in Kontakt. Es findet eine chemische Reaktion statt:
- $Ca(OH)_2 + CO_2 \rightarrow CaCO_3$ (Calciumcarbonat) $+ H_2O$
- Ergebnis: Das entstehende Calciumcarbonat ist weiß, schwer wasserlöslich und bleibt als weißer Fleck oder Schleier auf der Wand zurück.
2. Begünstigende Faktoren (Warum passiert es gerade jetzt?)
Damit Ausblühungen entstehen, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen:
- Hohe Feuchtigkeit: Regen während der Abbindephase, sehr hohe Luftfeuchtigkeit oder ein stark saugender/feuchter Untergrund fördern den Transport der Stoffe an die Oberfläche.
- Langsame Trocknung: Wenn der Putz zu langsam trocknet (z. B. bei kühler, feuchter Witterung im Herbst oder Frühjahr), hat das Wasser mehr Zeit, Stoffe aus dem Inneren zu lösen und nach außen zu transportieren.
- Temperatur: Bei niedrigen Temperaturen ist die Löslichkeit von Calciumhydroxid höher, was die Fleckenbildung verstärken kann.
- Zu viel Anmachwasser: Wurde der Mörtel zu dünnflüssig angemischt, gibt es mehr Überschusswasser, das nach außen drängt.
3. Salzausblühungen (Die zweite Variante)
Neben Kalk können auch leicht lösliche Salze (Sulfate, Chloride oder Nitrate) die Ursache sein. Diese stammen oft:
- Aus dem Putz selbst (Zuschlagstoffe).
- Aus dem Mauerwerk dahinter (besonders bei Altbausanierungen, wenn das Mauerwerk feucht ist).
- Aus dem verwendeten Anmachwasser. Hier kristallisieren die Salze beim Verdunsten des Wassers einfach aus, ohne eine chemische Reaktion mit der Luft einzugehen.
Sind Ausblühungen schlimm?
In den meisten Fällen handelt es sich um einen ästhetischen Mangel und nicht um einen bautechnischen Schaden.
- Bei Kalkausblühungen: Diese verschwinden oft nach einiger Zeit von selbst durch Bewitterung (saurer Regen löst das Calciumcarbonat langsam wieder auf). Man kann sie auch trocken abbürsten oder mit speziellen Entfernern reinigen.
- Bei Salzausblühungen: Diese sollten trocken abgebürstet werden. Man darf sie nicht mit Wasser abwaschen, da das Salz sonst wieder im Putz gelöst wird und der Kreislauf von vorn beginnt.
Wie kann man sie verhindern?
- Den frischen Putz vor Schlagregen schützen.
- Nicht bei zu niedrigen Temperaturen oder extrem hoher Luftfeuchtigkeit verputzen.
- Das richtige Mischungsverhältnis (nicht zu viel Wasser) einhalten.
- Sicherstellen, dass der Untergrund trocken und frei von bauschädlichen Salzen ist.