Warum kann die Doppeldeutigkeit des Satzes „Ich esse einen Amerikaner“ zu makabren Missverständnissen führen?

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Die Doppeldeutigkeit dieses Satzes rührt daher, dass das Wort „Amerikaner“ im Deutschen ein Homonym ist – also ein Wort mit zwei völlig unterschiedlichen Bedeutungen.

Hier sind die zwei Ebenen, die das makabre Missverständnis erzeugen:

1. Die harmlose Bedeutung (Das Gebäck)

In Deutschland ist ein „Amerikaner“ ein traditionelles feines Backwerk. Es handelt sich um ein rundes, weiches Gebäck aus Rührteig, das auf der flachen Unterseite meist zur Hälfte mit weißem Zuckerguss und zur Hälfte mit dunkler Schokoglasur überzogen ist (oder komplett mit Zuckerguss). Wer diesen Satz beim Bäcker oder beim Kaffeeklatsch sagt, meint schlicht, dass er ein Stück Kuchen isst.

2. Die wörtliche/makabre Bedeutung (Die Person)

Die weitaus geläufigere Bedeutung des Wortes „Amerikaner“ ist die Bezeichnung für einen Staatsbürger der Vereinigten Staaten von Amerika.

Warum es makaber wird:

Wenn der Kontext (z. B. eine Bäckerei oder ein gedeckter Kaffeetisch) fehlt, lässt die grammatikalische Struktur des Satzes beide Interpretationen zu:

  • Interpretation A: „Ich esse ein Gebäckstück.“ (Normal)
  • Interpretation B: „Ich verspeise einen Menschen aus den USA.“ (Kannibalismus)

Das Missverständnis ist deshalb so „makaber“, weil das harmlose Verzehren einer Süßigkeit sprachlich exakt gleich ausgedrückt wird wie der Akt des Kannibalismus an einer Person bestimmter Nationalität.

Vergleichbare Beispiele im Deutschen

Dieses Phänomen gibt es im Deutschen bei mehreren Gebäcksorten, die nach Bewohnern von Städten oder Ländern benannt sind:

  • „Ich esse einen Berliner“: (In vielen Regionen ein Krapfen/Pfannkuchen vs. ein Einwohner Berlins). Bekannt ist hier die (historisch leicht missinterpretierte) Anekdote um John F. Kennedys Satz „Ich bin ein Berliner“.
  • „Ich esse einen Frankfurter“: (Ein Würstchen vs. ein Einwohner Frankfurts).
  • „Ich esse einen Hamburger“: (Die bekannte Bulette im Brötchen vs. ein Einwohner Hamburgs).

Bei den „Amerikanern“ ist der Kontrast besonders stark, da es sich um eine ganze Nationalität handelt, was das Bild im Kopf besonders absurd oder erschreckend wirken lässt, wenn man das Gebäck nicht kennt.

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