Warum ist es gefährlich, Stützstrümpfe nachts während des Schlafens zu tragen?

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Es ist in den meisten Fällen nicht ratsam (und kann unter bestimmten Umständen gefährlich sein), herkömmliche Stützstrümpfe oder medizinische Kompressionsstrümpfe nachts zu tragen.

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum das Tragen während des Schlafens riskant sein kann:

1. Unterbrechung der arteriellen Durchblutung

Dies ist die größte Gefahr. Tagsüber, wenn wir stehen oder sitzen, muss das Blut gegen die Schwerkraft zum Herzen gepumpt werden. Der Druck der Strümpfe unterstützt dies.

  • Im Liegen: Wenn wir flach liegen, fällt die Schwerkraft weg. Das Blut fließt ohnehin leichter zum Herzen zurück.
  • Das Risiko: Der äußere Druck der Strümpfe kann im Liegen so hoch sein, dass er die Arterien (die Sauerstoff in die Beine transportieren) zusammendrückt. Dies kann zu einer Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff führen. Bei Menschen mit Durchblutungsstörungen (wie der Schaufensterkrankheit/pAVK) kann dies im schlimmsten Fall zu Gewebesterben (Nekrosen) führen.

2. Nervenschädigungen

Im Schlaf bewegen wir uns weniger kontrolliert. Wenn ein Strumpf verrutscht, Falten wirft oder oben einschnürt, kann er punktuell so starken Druck ausüben, dass oberflächliche Nerven abgeklemmt werden. Dies kann zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder im Extremfall zu Lähmungserscheinungen (z. B. eine Peronäuslähmung am Knie) führen.

3. Hautprobleme und Druckstellen

Nachts regeneriert sich die Haut. Ein eng anliegender Strumpf verhindert dies:

  • Eingeschränkte Belüftung: Es kann zu Schweißansammlungen, Pilzinfektionen oder Ekzemen kommen.
  • Druckgeschwüre (Dekubitus): Besonders an knöchernen Stellen wie den Fersen oder den Knöcheln kann der ständige Druck die Haut schädigen, besonders bei älteren Menschen mit dünner Haut.

4. Fehlende Muskelpumpe

Kompressionsstrümpfe entfalten ihre volle Wirkung erst in Kombination mit Bewegung (Wadenmuskelpumpe). Da man sich im Schlaf kaum bewegt, ist der therapeutische Nutzen herkömmlicher Strümpfe nachts meist gleich null, während die Risiken steigen.


Wichtige Ausnahme: Thromboseprophylaxestrümpfe (weiß)

Es gibt einen Unterschied zwischen Stütz-/Kompressionsstrümpfen und den weißen Antithrombosestrümpfen, die man im Krankenhaus bekommt:

  • Krankenhausstrümpfe (weiß): Diese haben einen viel geringeren Druck und sind speziell dafür entwickelt, im Liegen (nach Operationen oder bei Bettlägerigkeit) getragen zu werden.
  • Medizinische Kompressionsstrümpfe (beige/farbig): Diese haben einen hohen Arbeitsdruck für den Alltag und müssen vor dem Schlafengehen ausgezogen werden.

Wann ist es erlaubt?

In seltenen Ausnahmefällen verordnet ein Arzt das Tragen über Nacht (z. B. nach Venen-Operationen oder bei extremen Lymphödemen). In diesem Fall handelt es sich um eine kontrollierte medizinische Maßnahme.

Fazit: Wenn Ihr Arzt es nicht ausdrücklich angeordnet hat, sollten Sie Stütz- oder Kompressionsstrümpfe nachts immer ausziehen, um die Durchblutung nicht zu gefährden und die Haut zu entlasten.